SchlossMagazin

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Auf ins Erlebnismuseum…… ins goldene Augsburg der Fugger und Welser!

Eines der vielen Kapitel deutscher Wirtschaftsgeschichte ist so spannend, dass Historiker vom „Zeitalter der Fugger und Welser“ sprechen. Innovativ erzählt wird diese Erfolgsstory aus dem „goldenen Augsburg der Renaissance“ im neuen „Fugger und Welser Erlebnismuseum“ im Äußeren Pfaffengässchen in Augsburg.

muesum1Sie waren Augsburger, sagenhaft reich und unglaublich erfolgreich: die Fugger, eines der bedeutendsten Bankhäuser Europas, die mit ihrem Montankonzern als die „Krupps der Frühen Neuzeit“ gelten. Und die Welser, ähnlich große Finanziers, aber mit einem einzigartigen Handelsnetz, das bis nach Südamerika reichte. Kupfer der Fugger ging bis nach Indien. Die Welser suchten im Dschungel nach dem Goldland. Diese beiden Augsburger Geschlechter haben nun eine gemeinsame neue Heimat gefunden: das Wieselhaus im Domviertel. Im aufwändig renovierten Renaissancebau stoßen Besucher auf zeitgemäßes Storytelling mit flott gestalteten Ausstellungswänden, Filmen, Tonbildern sowie dem virtuellen Dialog zwischen Jakob Fugger „dem Reichen“ und Bartholomäus V. Welser. Das sog. Wieselhaus ist nach dem Optiker und Fernrohrbauer Johann Wiesel (1583 – 1661) benannt, der hier wohnte. Mitte des 19. Jahrhunderts ging es in den Besitz der Stiftung Katholischer Studienfonds über, die von der Stadt Augsburg verwaltet wird. Lange Jahre stand es leer. Schließlich konnte es dank Fördergeldern und Unterstützung durch Sponsoren saniert und zum Fugger und Welser Museum umgestaltet werden, das vor kurzem eröffnet wurde. Auf vier Etagen präsentieren Textstelen – leicht verständlich und mit vielen Bildern ausgeschmückt– wissenschaftlich fundiert historische Fakten. Ergänzt werden die Texte durch zahlreiche interaktive, multimediale Erlebnisstationen, bei denen Anfassen, ja sogar Spüren und Riechen ausdrücklich erwünscht ist.

Interaktive Erlebnisse: Der Name ist Programm

Modernste Museumstechnik sorgt dafür, dass die Geschichte der beiden Familien, der Stadt Augsburg und wichtiger Handelszentren und Handelswege nicht nur sichtbar, sondern auch erlebbar wird. Weitere Themen sind die gesellschaftlichen Netzwerke der Kaufmannsfamilien, ihre Rolle bei der beginnenden Globalisierung und ihre Kommunikationsstrukturen. muesum2Doch auch die nicht ganz so ruhmreichen Fakten aus der Vergangenheit werden beleuchtet. So greift das Museum z. B. die Arbeitsbedingungen der damaligen Bergarbeiter auf oder auch den Sklavenhandel und den damaligen Umgang der Europäer mit der indigenen Bevölkerung in Südamerika.
Die erste Überraschung erwartet den Besucher bereits im Eingangsbereich. Bevor er das eigentliche Museum betritt, kann er sich einen groben Überblick mit Hilfe des im Foyer ausliegenden „lebendigen“ Buches verschaffen. Schlägt man das Buch auf, schreiben sich Texte wie von Geisterhand selbst, entstehen nach und nach Bilder und beleben sich historische Karten. Es gibt auch Seiten, die als virtuelles Gästebuch genutzt werden können. Ein Rundgang eröffnet weitere Erlebniswelten. Im Nachbau der sog. Goldenen Schreibstube können Besucher z. B. die lebensgroßen Projektionen der Kaufherren Jakob Fugger und Bartholomäus V. Welser bei einer geschäftlichen Besprechung belauschen.

Die beiden Protagonisten bewegen sich dabei wie lebendig durch den Raum. Zum Leben erwachen auch die Figuren auf Gemälden der „magischen Galerie“ im Obergeschoss, so dass man sich abermals in die Welt des Zauberschülers Harry Potter versetzt fühlt. muesum3Die abgebildeten Mitglieder der High Society des 16. Jahrhunderts unterhalten sich nicht nur über die neuesten Tanzschritte aus Italien, sondern klatschen und tratschen freiherzig über Politik und Religion. Mehrere Kilometer Kabel mussten im ganzen Haus verlegt werden, um die Stationen zu beleben. Sie sorgen dafür, dass man an Hörstationen – sie werden durch RFID-Chips in Pfeffersäckchen ausgelöst, die man am Eingang erhält – der Geschichte lauschen kann (wahlweise auch in Englisch) oder dass die Info-Stelen von innen heraus leuchten und so gut lesbar sind. Die Fantasie der Besucher beflügeln u.a. der einem Schiffsdeck nachempfundene Raum und die Bergwerk-Inszenierung im Keller. Ein Entdecker-Guckkasten entführt in die damals gerade entdeckte „Neue Welt“ und macht mit den „new gefunden mensch“ und mit El Dorado bekannt. Für Besucher im Kindesalter halten die Pfeffersäckchen übrigens eine Überraschung bereit. Kinder werden chip-gestützt von der cleveren Comic-Figur Konrad durch die Geschichte geführt. Und mit dem Handelsbuch, das alle Kinder beim Eintritt bekommen, können sie das Museum auf eigene Faust erkunden, spannende Entdeckungen machen und kniffelige Aufgaben lösen. 630.000.– € hat die Installation des Museums im Wieselhaus gekostet, das zuerst für 3,2 Millionen Euro restauriert und mit einem behindertengerechten Aufzug versehen werden musste. Doch die Mühe hat sich gelohnt: Entstanden ist ein außergewöhnliches Erlebnismuseum, das die Geschichte der goldenen Zeit der Fugger und Welser nicht durch klassische Museumsexponate, sondern durch mit allen Sinnen erfahrbare, innovative museumsdidaktische Ansätze näherbringt. Absolut sehenswert!

Fugger und Welser Erlebnismuseum
Äußeres Pfaffengässchen 23 · 86152 Augsburg
http://www.fugger-und-welser-museum.de
Öffnungszeiten: Di bis So und feiertags 10:00 bis 17:00 Uhr

Bildquelle: Rudolf Morbitzer; googleplus; Martin Kluger; Lilos Reisen

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