SchlossMagazin

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Brigitte Schuster zeigt Glas im Prozess

Kaum ein Werkstoff hat die gesellschaftliche und technologische Entwicklung so beeinflusst wie das Glas – dessen ist sich die Schrobenhausener Künstlerin Brigitte Schuster sicher. Glas kann seine Schönheit in zig Facetten zeigen.

Und genau deshalb ist es zum Lebensinhalt der Kunstpreisträgerin 2014 geworden. Ab 4. Oktober bringt die Künstlerin im Pflegschloss Schrobenhausen über eine Werkschau nicht nur ihre vielfältigen Arbeiten dem Publikum näher, sondern führt an drei Sonntagen auch persönlich in verschiedene Themenbereiche ein.

Text: Hannelore Eberhardt-Arntzen

Eigentlich schien Brigitte Schusters beruflicher Weg in eine ganz andere Richtung zu führen, doch nach einer kurzen Familienpause konnte sie den Drang, ihre künstlerischen Ambitionen auszuleben, nicht mehr bändigen. Da sie sich schon immer für den Werkstoff Glas interessiert hatte, absolvierte sie in den 90er Jahren eine Ausbildung für Glasmalerei und Glasgestaltung an der staatlichen Berufsfachschule für Glas und Schmuck in Neugablonz. Hier erlernte sie die Grundlagen für den kreativen Umgang mit dem Werkstoff, doch ihre Experimentierfreudigkeit und etliche Gaststudien in München und Tschechien ließen sie immer neue Ideen und Verfahren entwickeln, dem Glas die vielfältigsten Anmutungen zu entlocken. Dass diese Entwicklung ein nicht endender Prozess ist, findet Brigitte Schuster, die Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler ist, besonders spannend an „ihrem“ Werkstoff und ihrem Beruf.

Schuster IMG_6223 Höll-rotDie meisten denken beim Begriff Glas spontan an Fensterglas oder Glasflaschen bzw. Trinkgläser. Doch die Erscheinungsbilder, Zusammensetzungen und Produktionsweisen von Glas sind um ein Vielfaches komplexer. Eine Wissenschaft für sich und das nicht erst seit jüngster Vergangenheit. Glas gehört zu den ältesten Werkstoffen der Menschheit. Die ersten bekannten Objekte aus Glas, hauptsächlich Glasperlen, stammen aus dem Jahr 3.500 v. Chr. und wurden in Ägypten und im östlichen Teil von Mesopotamien gefunden. Seit ungefähr 2.000 Jahren beherrscht der Mensch die Kunst des Glasblasens. Ab ca. 1.200 und Jahrhunderte später stellte man sogar Fensterglas auf diese Weise her. Erst 1914 wurde in Belgien die weltweit erste Fabrik in Betrieb genommen, die ausschließlich mechanisch gezogenes Flachglas herstellte. Es waren übrigens die Römer, die Glas in der Architektur einführten. Sie verbauten Fenster aus gegossenen Glasplatten, was sich aufgrund der mäßigen Qualität aber nicht durchsetzte. Seit 1959 wird Flachglas für den alltäglichen Gebrauch hauptsächlich im sog. Floatverfahren hergestellt. So facettenreich in Ausprägung und Farbe, wie Glaskörper aufgrund ihrer chemischen und physikalischen Zusammensetzung und der Art ihrer Herstellung sein können, so nahezu unendlich sind auch die Möglichkeiten, die Oberflächen zu gestalten. Glas lässt sich durch Sandstrahlen aufrauen bzw. satinieren, polieren, schleifen, bemalen, mit Metall beschichten, ver- oder entspiegeln, und, und, und… Kein Wunder, dass das Glas seit jeher die Künstler dieser Welt begeistert hat. Dieser Faszination ist auch Brigitte Schuster erlegen.

Schuster JanusSeit 1995 übt sie Glaskunst als Beruf aus und hat sich in diesen 20 Jahren über die Grenzen Schrobenhausens einen Namen gemacht. Unter ihren Händen entstehen Glasbilder, Gefäßobjekte und Skulpturen mit klaren, minimalistischen Formen, aber auch Glasfenster bzw. -türen für sakrale Räume oder für den Wohnbereich. In Zusammenarbeit mit Architekten fertigt sie außerdem künstlerisch gestaltete, gläserne Bauteile, die etliche Firmengebäude oder städtische Einrichtungen schmücken. So zieren z. B. großformatige Kastanienblätter, eine transparente Glasmalerei auf Floatglas, einen gläsernen Treppenturm im „Kunsthof“ mitten in Schrobenhausen. Die Motive wurden von einer Spezialfirma eingebrannt, bevor sie auf der anderen Glasseite mit Sandstrahl graviert wurden. Im Foyer der Firma Bauer können Besucher auf zwei Stockwerken zwei raumhohe abstrakte Monumental-Glasbilder in opaker Hinterglasmalerei bewundern. Solche Formate und auch sog. Sandgussarbeiten, für die sie die Formen designt, lässt Brigitte Schuster in Glashütten gießen, da dies technisch in ihrer Werkstatt natürlich nicht mehr zu bewältigen wäre. Ihr erstes größeres Werk ist übrigens im Treppenhaus der Schrobenhausener VHS angebracht – eine „Glasfontäne“ mit blasenartig strukturierter Oberfläche, die in Form-Schmelztechnik und im Absenkverfahren angefertigt und modelliert wurde.

Schuster EintrittBesonders gerne nimmt Brigitte Schuster an künstlerischen Wettbewerben teil, da sich so stets ein großer Betrachterkreis mit der Kunst auseinandersetzt. Im letzten Jahr entschieden sich im Rahmen des Projekts „Kunst am Band am Limes“, das eine neuartige Herangehensweise zum Sicht- und Erlebbarmachen ans Denkmal Limes in der Region ermöglichen soll, gleich zwei Orte – Bad Gögging und Schafhausen (Kinding) – für ihren Entwurf, die Stele „Gläserner Schutzschild“. Sieben Kommunen aus dem Bereich Altmühl-Jura und Neustadt-Donau konnten sich dabei für jeweils eine der 16 eingereichten Arbeiten entscheiden. Im Sommer dieses Jahres wurden die Stelen installiert. Welchen Stellenwert Brigitte Schusters Glaskunst in ihrem Heimatort Schrobenhausen hat, lässt sich auch daraus ersehen, dass sie im vergangenen Jahr in den Kreis der städtischen Kunstpreisträger aufgenommen wurde. Eingedenk dieser Ehrung findet nun vom 4. Oktober (Vernissage) bis zur Finissage am 22. November im Pflegschloss Schrobenhausen die Ausstellung „Glas im Prozess“ statt.

Glas im Prozess
Kopieren Schuster Spirale 1In Brigitte Schusters Werkstatt hinterm Wohnhaus sind ständig neue Werke im Entstehen. Derzeit laufen die letzten Arbeiten für die kommende Ausstellung. Gerade liegen mehrere Elemente für ein Glasbild auf den Arbeitstischen. Auf mundgeblasenen farbigen Echtantikglasscheiben malt Brigitte Schuster mit Spezialfarben Muster und Motive, die später zu einem Ganzen zusammengefügt werden. Daneben stehen Skulpturen und Objekte, die wohl ebenfalls den Weg in die Ausstellung finden sollen. Dazu gehört eine organisch geformte, abstrakte Figur, die geradezu dazu auffordert, sie zu berühren und zu streicheln, so sinnlich wirkt sie. Doch ganz gleich, ob Bild oder Objekt – Glas hat die besondere Eigenschaft, immer räumlich zu wirken, wie Brigitte Schuster betont. Andere Kunstwerke sind bereits sorgfältig in Kisten verpackt und warten auf ihren Transport. Die bereitstehenden hölzernen Podeste, Stelen, Rahmen und Aufhängungen, die die Glasobjekte in der Ausstellung von ihrer besten Seite zeigen sollen, stammen aus den Händen ihres Ehemanns, der für das „Rahmenprogramm“ zuständig und damit unverzichtbar ist, wie Brigitte Schuster schmunzelnd bemerkt. Die Ausstellung soll etwas ganz Besonderes werden: In acht Räumen stellt die Künstlerin einzelne Werkgruppen zu verschiedenen Themen zusammen; da sich die Objekte selbst erklären, genügen nur kleine erläuternde Texte. Thematisiert werden u. a. Kunst am Bau, Lichtinstallationen, Schiffs- und Pusteblumenmotive unter dem Titel „Der Wind trägt dich fort“ und die neunteilige Bilderreihe „Generationen“. An drei Sonntagen wird die Künstlerin selbst interessierten Besuchern eine fachliche Einführung zu den Themen Feuer und Sand, Glaskunst in der Architektur und Malen mit Licht geben. Und speziell zu Beginn und Ende der Ausstellung lässt es Brigitte Schuster so richtig krachen: Den musikalischen Auftakt bei der Vernissage macht als Gast der Multiinstrumentalist und Komponist Heinz Grobmeier mit seiner innovativen, erfrischenden und überraschenden Glasmusik auf selbst erfundenen Glasinstrumenten. Als musikalische „Rausschmeißer“ betätigen sich ebenso schwungvoll am 22. November die achtköpfigen „Dradewixpfeiferl“ mit experimenteller europäischer Folklore.

Informationen auf www.brigitteschuster-glas.de

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