SchlossMagazin

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Capoeira – Spielerischer Kampf

Ein Kulturgut aus Brasilien hat auch bei uns Fuß gefasst: der Capoeira, ein Trendsport, der Kampfbewegungen, Tanz, Akrobatik und Musik vereint. Und dabei richtig Freude macht!

capoeiraDieser Sport ist wie ein Spiel mit immer neuen Facetten. „Er macht richtig Laune“, sagt Corinna Wolf über den aus Brasilien stammenden Trendsport Capoeira, der in den vergangenen Jahren in Deutschland immer fester Fuß gefasst hat. Corinna Wolf ist Trainerin für Capoeira in Augsburg. Diesen Sport zu beschreiben, ist nicht ganz einfach. „Capoeira hat von allem ein bisschen“, sucht auch Samuel Finsterlin nach einer Charakterisierung. Er bietet den Sport als Trainer beim TSV Schondorf an. Capoeira ist eine faszinierende Mischung aus Bewegung, Musik und Kampfsport. Elemente des Tanzes finden sich hier genauso wie aus der Akrobatik.

 

Geprägt wird der Sport von den brasilianischen Rhythmen und eigenen Ritualen. Das fängt schon damit an, dass die „Capoeristas“ (die Spieler) bei der „Batizado“ (Taufe) einen „Apelido“ (Spitznamen) bekommen. Corinna Wolf beispielsweise ist „Toureira“, Samuel Finsterlin „Morcego“. Der je nach Können eigene Grad, der an das Gürtelsystem im Kampfsport erinnert, wird vor den Namen gesetzt, also: „Graduada Toureira“ und „Formado Morcego“.

Eine Form des Widerstandes

capoeira2Die Wurzeln des „Kampftanzes“ Capoeira reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. In jene Zeit, als Sklaven aus Afrika auf die Zuckerrohr-Plantagen in Brasilien verschleppt wurden. Capoeira wurde zu einer Form des Widerstands gegen die portugiesischen Machthaber. Gleichzeitig bewahrten sich damit die afrikanischen Sklaven das Eigene, um sich zu verständigen, zu tanzen, zu musizieren und auch bestehende Kampftechniken, die ihnen vertraut waren, zu üben und weiter zu entwickeln. Die Spitznamen brauchten sie, um einander nicht zu verraten. Als die Sklaverei im 19. Jahrhundert abgeschafft wurde, wurde auch Capoeira verboten und seine Ausübung verfolgt. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelang es, dieses Verbot wieder aufzuheben. Capoeira wird seither nicht mehr nur in Brasilien, wo er als wichtiges kulturelles Erbe und Nationalsport gilt, sondern weltweit trainiert.

 

Als einen „Sport für jedermann, für alle Altersgruppen“ beschreibt ihn Samuel Finsterlin. Man stellt sich dazu in einer „Roda de Capoeira“ (Kreis) auf. Hier wird geklatscht, gesungen und getrommelt. Zwei Capoeiristas treten in die Mitte des Kreises, wo sie tanzen, springen und Tritte und Finten des anderen Spielers parieren, indem sie möglichst elegant ausweichen. Diese „Spiele“ variieren je nach Können und Vorlieben. Faszinierend der Dialog der beiden Partner, bei dem sich die Elemente des Tanzes mit der Grazie und Harmonie der fließenden Bewegungen vereinen. Das setzt auch eine hohe Körperbeherrschung voraus – und vor allem Kreativität.

Die Hand nicht in ein Schlangenloch stecken

capoeira3Und die, die im Kreis stehen, spielen mit. Bei Capoeira wird auch der Umgang mit den für diesen Sport typischen Instrumenten gelehrt: allen voran die Berimbau, ein hölzerner Musikbogen und weitere Trommeln wie die Atabaque (eine Fasstrommel) und die Pandeiro (eine Handtrommel). Es werden Cantigas gesungen, typische Reimsprüche und Lieder auf Portugiesisch, in denen manche Weisheit steckt. Etwa die, dass man seine Hand tunlichst nicht in ein Schlangenloch stecken soll, weil man ja nicht weiß, was drin steckt. Die Rhythmen, das Klatschen, die Lieder, das ist es, was die Capoeiristas in der Kreismitte brauchen. „Da ist Power, da ist Energie drin“, so Samuel Finsterlin, „da können die Spieler höher springen als normal“.

 

Auch wenn Capoeira Elemente des Kampfsports enthält, so ist er nicht aggressiv. Trainerin Corinna Wolf weist darauf hin, dass ein Trainer bei zu viel Aggression eingreifen wird. Ins Leben übertragen könnte dieses Frage- und Antwortspiel der beiden Spieler auch persönlichkeitsbildend wirken. Etwa bei der konstruktiven Konfliktbewältigung. Da gehe es auch um Klarheit, in dem Sinne: Welche Frage muss ich stellen, damit die Antwort hilft, eine gute gemeinsame Lösung zu finden?

 

Das Sportliche selbst hat natürlich noch besonderes Gewicht: Wer Capoeira ausübt, schult sein Körperbewusstsein, seine Beweglichkeit und seinen Gleichgewichtssinn. Er steigert seine Kraft und seine Kondition und lernt zu entdecken, welche Möglichkeiten in seinem Körper stecken und wie er sie kreativ wecken kann. Auch macht es einfach Freude, Capoeira nicht alleine, sondern im Kreis der anderen zu üben, wo der Stärkere genauso seinen Platz hat wie der Schwächere. Hinzu kommt, dass Capoeira den Blick weitet und die „Spieler“ mit der brasilianischen Kultur in Berührung bringt.

 

 Text: Gerlinde Knoller

Wissenwertes
Capoeira wird von verschiedenen Vereinen angeboten. In Augsburg etwa von: ABADÁ-Capoeira München e.v., im downtown dance studio, Augsburg
Trainerin: Graduada Toureira – Corinna Wolf
www.capoeira-augsburg.de

In Schondorf leitet Mestre Saguin Capoeira als Angebot des TSV Schondorf
Trainer: Formado Morcego – Samuel Finsterlin
www.capoeira-muenchen.de

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