SchlossMagazin

Magazin für gehobenen Lebensstil in Bayerisch-Schwaben und im Fünfseenland. Exklusive, informative und spannende Unterhaltung für Leser mit Anspruch.

Der Bierleidenschaft verfallen

Wer in eine Bierbrauerfamilie hineingeboren wird und dann auch noch in eine Brauerei einheiratet, der kann eigentlich gar nicht anders, als sein Leben dem Bier zu widmen. Dies tut Sebastian Benedikt Priller-Riegele mitganzer Leidenschaft. Und gibt dem Bier wieder den Stellenwert, den es verdient.

Dem gängigen Klischee eines Brauers entspricht Sebastian Priller rein äußerlich überhaupt nicht: kein Bierbauch, keine Spur von Behäbigkeit. Schlank und rank flitzt er die Treppen des Brauereigebäudes auf und ab, voller Energie und Drang. Den setzt der Leiter des Brauhauses Riegele – der größten Privatbrauerei Augsburgs, die sich vollständig in Familienbesitz efindet – konsequent in Taten um. Ein Beweis mehr dafür sind seine neuesten Kreationen, die „Brauspezialitäten für den besonderen Moment“, wie die acht Spezialbiere aus der Riegele BierManufaktur genannt werden. Dabei hatte Sebastian Priller beruflich zuerst einen anderen Weg eingeschlagen. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften arbeitete er ein paar Jahre als Unternehmensberater bei der renommierten Boston Consulting Group und bereiste in deren Auftrag die ganze Welt. Hier verdiente er sich die Sporen, bevor er beschloss, sein Hobby zum Beruf zu machen und zusammen mit seinem Vater das Brauhaus Riegle in 28. Generation zu leiten – war er doch nach eigenen Worten „mit dem Bierschnuller“ aufgezogen worden, was er nicht verleugnen konnte. Bereut hat der Enddreißiger diesen Schritt keine Sekunde. Sein Leben hat sich seither vollkommen gewandelt. Heute geht der ehemalige Vielflieger zu Fuß zur Arbeit und ist glücklich damit: „Halbes Geld, doppelter Spaß“ meint er augenzwinkernd und genießt den Luxus, mittags mit der Familie zu Hause essen zu können.

Bier ist flüssige Lebensfreude

Trotzdem ist der Biersommelier-Weltmeister (!) Sebastian Priller noch viel unterwegs, international, aber nun in Sachen Bierkultur – zum Weitervermitteln seines Wissens als Botschafter der deutschen Bierkultur auf zahlreichen Veranstaltungen wie auch im Fernsehen und zum selbst Dazulernen. Voraussetzung für einen guten Biersommelier sind nicht nur umfassende Fachkenntnisse, wie er sagt (es gibt weltweit 81 Bierkategorien!) und spezielle sensorische Fähigkeiten (80 Prozent der Aroma-Wahrnehmung beim Bier geschieht über das Riechen), sondern auch die Leidenschaft für Bier und die Fähigkeit, diese Leidenschaft an andere weiterzugeben. Bier ist für Sebastian Priller „flüssige Lebensfreude, kein Getränk, sondern eine Philosophie, die für Freundschaft, Entschleunigen und Kultur steht“.

Neues Image fürs Bier

Dem heimischen Gerstensaft ein neues Image zu geben und den Stellenwert,den es verdient, ist das erklärte Ziel Sebastian Prillers. Die Genuss-Komponente soll in den Vordergrund rücken und nicht das „auf den Durst trinken“. Inspirationen sammelte Priller unter anderem auf „Bildungsreisen“ in den USA und weiteren großen Biernationen. Herausgekommen sind bei seinen jüngsten Recherchen die Brauspezialitäten, eine handverlesene Selektion acht ausgefallener Geschmackserlebnisse mit einem Farbenspektrum von Sonnengelb über Kastanienrot bis zu Tiefschwarz und einem Aromenspiel von zitrusfruchtig bis zu Bitterschokolade. Drei Jahre lang wurde in der Riegele BierManufaktur gebraut, verkostet und getestet, bis die Biere von Braumeister Frank Müller und Sebastian Priller den Segen erhielten.

Food-Pairing

priller2In Analogie zu Wein funktionieren diese überraschenden Kreationen jeweils mit bestimmten Speisen, „Food-Pairing“ genannt: Speise und Bier bilden eine geschmackliche Einheit. So passt das feinherbe „Amaris 50“ mit dem nordamerikanischen Hang zur extremen Hopfung perfekt zu Salaten und Meeresfrüchten; das hopfige „Simco 3“, angelehnt an die angelsächsischen Kolonialbiere Indian Pale Ales, ergänzt wunderbar asiatischen Fisch. Das fruchtige „Augustus 8“ geht mit Geflügel und Ente oder süßen Desserts, während „Dulcis 12“ in der Tradition belgischer Dubbel als süße Verführung den Genuss von Hartkäse oder auch Apfelstrudel unterstreicht. „Goldenes Feuer“ versprüht nicht nur optisch „Auris 19“ zu Rindersteaks, die malzige „dunkle Versuchung Ator 20“ ergänzt Wildgerichte und Schweinebraten. Schwarz und kräftig unterstützen „Noctus 100“, ein englisches Imperial Stout, und das Porter „Robustus 6“ den Geschmack von Geräuchertem oder Steaks.

Absolut Preiswürdig

Die Spezialbiere der Riegele BierManufaktur haben trotz ihres jungen Daseins schon Auszeichnungen eingefahren. So gewann „Ator 20“ vom Fleck weg die Silbermedaille beim Dublin Craft Beer Cup. Und das Kultlabel „Bierzwerg“ nahm die Spezialbiere in sein Angebot auf. Natürlich bleibt Sebastian Priller neben den Innovationen seinen Traditionsbieren treu, sind sie doch das Herz des Brauhauses und mit zahlreichen Medaillen versilbert und vergoldet worden. Biere wie das Commerzienrat Riegele Privat, das Riegele Feines Urhell oder das naturtrübe Riegele Kellerbier sind allseits bekannt und beliebt. Und doch wird es in Zukunft noch viel zu verkosten geben. Riegele hat mittlerweile über 120 Hefen im Haus, die kultiviert werden, mehr als 20 Hopfensorten aus der Hallertau oder aus den USA und unzählige Spezialmalze, die nur darauf warten, dass aus ihnen ein Bier entsteht. Dass Hopfen nicht gleich Hopfen ist, nutzen Sebastian Priller und sein Team weidlich aus. So weiß er z. B.,dass das Fruchtbouquet eines Bieres nur durch den Hopfen entsteht, indem die richtige Sorte zur richtigen Zeit ins kalte Bier gegeben wird. Die Braukunst ist bei Riegel ein guten Händen. Wie schon sein Vater setzt Sebastian Priller auf eine familiäre nachhaltige Firmenkultur. Viele Mitarbeiter stellen ihr Wissen schon seit Jahrzehnten dem Unternehmen zur Verfügung und manch treuer und geschätzter Kollege ist schon weit über das Ruhestandsalter hinaus. Auf deren Wissensfundus möchte auch Sebastian Priller zukünftig nicht verzichten.

Bierige Genussveranstaltungen

Die Spezialbiere schicken sich an, zum Kultbier zu avancieren, haben sich schon Starköche wie Johann Lafer persönlich danach erkundigt. Sie sind in Spezial-Bierrestaurants erhältlich, z. B. in Berlin oder München, wo man sie zu Degustations-Menüs kredenzt, aber auch im Fachhandel oder auf Internet-Plattformen. Natürlich gibt es sie auch vor Ort im Riegele BierLaden in Augsburg. Hier trifft jeder Bierliebhaber ein wahres Bier-Paradies an. Ganz zu schweigen von den Spezial Events: Vom Braukurs über Bierseminare bis hin zur Brauereiführung oder einer Verkostung im Riegele Wirtshaus ist viel Interessantes geboten. Bei einer „Herrenrunde“ können im neu gestalteten Reifekeller die Brauspezialitäten unter Männern verkostet werden. Doch auch die Damenwelt kommt nicht zu kurz. „Von Frauen für Frauen“ heißt das Genussseminar zum Thema Bier, das von Riegele Bier-Brauerinnen (jawohl, die gibt es – bevor Bier in großem Stil z. B. von Mönchen gebraut wurde, waren übrigens die Frauen für die private Bierherstellung verantwortlich) abgehalten wird und u. a. ein 4-Gänge-Menü im Kaminzimmer umfasst. Solche Events sind Sebastian Priller wichtig, um der gepflegten Bierkultur eine Zukunft zu geben. Apropos Zukunft: Für 2015 ist ein im Holzfass gereiftes Digestif-Bier in Planung. Es befindet sich bereits in der Testphase, verriet Sebastian Priller. Noch in diesem Jahr soll das beliebte Michaeli-Bier mit einer neuen Ausstattung veredelt werden. Die „Champagner“-Flasche erhält ein neues Etikett und einen wertigen Neck-Hanger sowie einen Umkarton, wie er typischerweise für Champagner verwendet wird. Der nach eigenen Worten „heimatverhaftete“ Brauer hat seine Lehr- und Wanderjahre erfolgreich beendet und in Augsburg wieder Wurzeln geschlagen, das ist sicher. „Augsburg ist einer der schönsten Flecken in Bayern“ resümiert Priller. Seiner Heimatstadt möchte er die Treue halten und den Standort auch wirtschaftlich nutzen. Was ihm nicht schwer fallen dürfte – gemäß dem Brauerei-Slogan „Schönes Leben hier“.

Text: Hannelore Eberhardt-Arntzen
Photo:Photo: www.Atelier-Luca.de

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