SchlossMagazin

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Die Hirschlederne – Schmuckstück fürs Mannsbild

Die Männer von heute haben wieder Lust auf Lederhose. Da sind sie bei Lilo Hofer aus Todtenweis gerade richtig: Als Säcklerin fertigt sie maßgeschneiderte Hirschlederne. Damit macht sie nicht nur Männer glücklich, sondern verhilft auch noch einem alten Handwerk zur Renaissance.

Wie sich das anfühlt! Wunderbar weich und samtig ist dieses Leder – wie eine zweite Haut. Es ist echtes Hirschleder, das auch noch seinen typisch ledrigen Duft verströmt. Aus solch feinem Leder fertigt Lilo Hofer aus Todtenweis Lederhosen. Seit nahezu 50 Jahren übt sie ihren Beruf als „Säcklerin“ aus, den sie von ihrem Vater übernommen hat. Ein Beruf, der heute, da das Tragen von Tracht wieder en vogue ist, absolut gefragt ist. „Das habe ich mir nie gedacht!“, meint sie lachend, „früher war das ein Außenseiterberuf“. Aber die „Burschen von heute“ hätten halt wieder Lust an einer Lederhose gefunden. „Die spüren: Die ist ja viel schöner als eine Jeans!“. Und den Mädchen, die ihnen in ihren Dirndln auch recht gut gefallen, möchten sie halt in nichts nachstehen.

„Ganz viele Junge“ gehören heute zu Lilo Hofers Kundschaft, die meist kommen, weil sich’s herumgesprochen hat, dass es bei ihr eine auf den Leib geschneiderte Lederhose gibt. Davon beglücken lassen sich aber auch Mitglieder von altbayerischen Vereinen oder Hochzeiter. Die Säcklerin berichtet etwa von Kunden aus einem Verein, denen sie vor 25 Jahren je eine Lederhose gemacht hat. Und die heute, zum Vereinsjubiläum, damit immer noch Staat machen können. Die eine oder andere Hose habe sie halt „ein bissle weiter“ oder „ein bissle enger“ gemacht. Lilo Hofers Hirschlederhosen sind etwas Dauerhaftes, etwas ganz Besonderes: Dafür verwendet sie echtes Hirschleder ausNeuseeland, wo die Tiere gezüchtet werden. Das Leder ist „sämisch gegerbt“ nach einer alten, traditionellen Herstellungsweise mit Tran, die es buttrig weich macht. Im Unterschied zu früheren Zeiten lege die Kundschaft jedoch heute einen gewissen Wert darauf, dass das naturgewachsene Leder keine Narben aufweist. Hatte einst der Alltag die Hosen über die Jahre hin mit Flecken veredelt, so werde heute das Schmuckstück von Anfang an maßvoll „auf alt gemacht“.

Nach der Farbe ihrer Wunschlederhose gefragt, äußern die meisten ihrer Kunden: Schwarz. „Ich zeige Ihnen mal was!“, sagt dann Lilo Hofer, öffnet einen Schrank und holt daraus originalleder in weiteren natürlichen Farbvariationen heraus. Plötzlich hat der Kunde die Qual der Wahl. Dieses herrliche Altgold wäre doch auch wunderbar? Oder soll es ein rustikaler „Altsalzburger“ Ton sein, sowohl hell, als auch dunkel zu haben?

Wer sich bei Lilo Hofer eine Lederhose machen lässt, bekommt wirklich „seine Hose“, mit den Initialen seines Namens darauf gestickt. Überhaupt – die Stickerei macht eine Lederhose noch mehr zu einem besonderen, einzigartigen Schmuckstück. „Jeder Säckler hat da sein Repertoire, erklärt Lilo Hofer und zeigt, wie diese Blumen- oder Blattmuster aufs Leder übertragen werden. „Ich hab’ alles ausprobiert, es gibt nichts Besseres als Gummi Arabicum und Federkiel“, meint sie und zeigt, wie sie mit Vorlage und Kreide das Muster aufträgt , den Federkiel ins Gummi Arabicum taucht und damit die Konturen zieht.  Daran kann sich die Stickerin, an die Lilo Hofer die Hose weiter gibt, nun orientieren – denn das Gummi Arabicum verschwindet mit der Zeit von selbst aus dem Leder. Ein „richtiges Mannsbild“ vervollständigen die Träger der Lederhose –zwei über der Achsel liegende Längen, meist mit einem Quersteg verbunden. Was sich dann über die stolze Männerbrust spannt, ist manchmal ein ganzer Bilderbogen, etwa mit Hirschgeweihen, Wappen, Bildern von längst verblichenen „Herrschaften“ und Ornamentstickereien.

Text u. Fotos: Gerlinde Knoller

Informationen: www.trachten-hofer.de

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