SchlossMagazin

Magazin für gehobenen Lebensstil in Bayerisch-Schwaben und im Fünfseenland. Exklusive, informative und spannende Unterhaltung für Leser mit Anspruch.

Die Pfladermühle Augsburg

Von der Wassermühle zum Headquarter

Keimzelle und Stammsitz der mittelständischen, international tätigen Dr. Grandel-Gruppe ist die historische Pfladermühle im Herzen der Augsburger Altstadt, deren Geschichte mehr als 1000 Jahre zurückreicht.

Im Jahre 982 wurde die „Wassermühle am Vorderen Lech“ in der Chronik des heiligen Ulrich erstmals offiziell erwähnt und dürfte damit Süddeutschlands älteste Mühle sein. 1276 wird sie sogar in der Stadtrechtsurkunde König Rudolfs von Habsburg genannt. 1288 ging die Mühle in den Besitz des Augsburger Hochstifts über, das sie an die Bürger der Stadt verpachtete. Durch den Müller Cornelius Pfladerlacher erhielt sie ihren bis heute geläufigen Namen „Pfladermühle“. Nach einer Feuersbrunst am 22. September 1376 brannte das gesamte Gebäude nieder. Der Giebel stürzte ein und begrub unter sich die 12-köpfige Müllersfamilie. Lange noch sollen die Verbrannten in den Gewölben des wiederaufgebauten Hauses umgegangen sein. 157 1 wurde es von der Müllerfamilie Richter erworben. Im Jahre 17 19 malte der Freskant Johann Evangelist Holzner die Sonnenuhr neu und brachte darunter den Spruch an:

„Betracht ’ die Uhr, und such ’ daran ,
Die Stund ’, wo man nicht sterben kann ,
Find’st du si E nicht se y allezeit ,
In jeder Stund ’ zum Tod bereit … “

Der inhaltsreiche Spruch fiel im 19. Jahrhundert einer Fassadenerneuerung zum Opfer und verschwand. In den Jahren 1893 bis 1897 war die Frau des Ingenieurs Rudolf Diesel eine der treuesten Kundinnen der Pfladermühle; sogar nach ihrem Umzug nach München ließen die Diesels noch lange Jahre ihr Mehl von der Pfladermühle liefern.

Dr. Felix Grandel    Dr. Felix Grandel

Im Jahre 1897 gab der damalige Müller Richter den Auftrag, die Mühle bis auf die Grundmauern abzubrechen und erstellte ein neues Gebäude mit einer modernen Kunstmühle. Ein weiterer schwarzer Tag in der langen Geschichte der Pfladermühle war der 3. August 1905. Die Mühle brannte bis auf den ersten Stock nieder, wurde jedoch wieder aufgebaut. Der letzte „Pfladermüller“ Gottfried Richter jun. starb 1935.

Grundstein für die Marke Dr. Grandel
In diesem Jahr erbte Dr. phil. nat. Felix Grandel von seiner Mutter, einer geborenen Richter, die historische Pfladermühle. Kein Müller, sondern ein Chemiker, Landwirt, Biologe, Ernährungswissenschaftler und Forscher trat die Nachfolge an. Er war nicht an der Mehlerzeugung interessiert, sondern begeisterte sich für die so genannten Mühlen-Nebenprodukte: Weizenkeime und -kleie. Er macht sich auf die Suche nach Möglichkeiten, diese für die menschliche Ernährung nutzbar und haltbar zu machen. Unter der Marke Keimdiät wurden bereits 1939 Weizenkeime und Weizenkeimöl an Reformhäuser geliefert, 1941 folgte das Hautdiät-Öl für die kosmetische Pflege von außen. In den Kriegsjahren musste Dr. Felix Grandel seine Arbeit als Jungunternehmer unterbrechen und konzentrierte sich ganz auf seine leitende Tätigkeit bei einem Forschungsinstitut in Emmerich am Niederrhein. Dort war er mit Fettchemie, insbesondere mit dem Erforschen der ungesättigten Fettsäuren und Tocopherole (Vitamin E), befasst. Institut und Laboratorien, die Dr. Felix Grandel bereits seit 1935 leitete, wurden in den letzten Kriegsmonaten vollständig zerstört.

1947/48 gründete Dr. Felix Grandel die Keimdiät GmbH als Tochtergesellschaft der Pfladermühle. Er war ein Pionier der Reformwarenwirtschaft und als Nahrungsforscher seiner Zeit weit voraus. Aus der Keimdiät GmbH sollte sich die heutige Dr. Grandel-Gruppe entwickeln. Der geschäftliche Durchbruch gelang jedoch erst Mitte der 50er Jahre mit der Erfindung des Weizenkeim-Vollextrakts und der überaus erfolgreichen Markteinführung des Tonikum Granoton. In 60er Jahren folgten Naturheilmittel wie Phytogran, ein pflanzliches Beruhigungsmittel, und Granobil, ein Bakteriostatikum auf Baumflechtenbasis. Das Kosmetik-Programm mit dem Weizenkeim-Extrakt Epigran wurde parallel hierzu ausgebaut. 1964 war die Geburtsstunde des Aufbau- und Kräftigungsmittels Molat, das sich auch heute noch großer Beliebtheit erfreut, ebenso wie andere Produktpersönlichkeiten. 1977, im Gründungsjahr der österreichischen Tochtergesellschaft SynPharma-Salzburg, verstarb Dr. Felix Grandel völlig überraschend. Hans Neumann und Herbert Kosbahn führten mit geschickter Hand das Lebenswerk weiter. 1981 wurde der junge Diplom-Ökonom Michael Grandel, Sohn des Firmengründers, zum Mitgeschäftsführer, 1985 zum alleinvertretungsberechtigten Geschäftsführer bestellt. Das Geschäft wurde weiter internationalisiert, was Ende der 80er Jahre zu den Gründungen der Auslandsgesellschaften in den USA und in England führte. 1987 folgte der große Ausbau von Werk II mit vollautomatischem Hochregallager, moderner Logistik und neuen Laboratorien. Dank wirtschaftlicher Organisationsstruktur und innovativer Produktkonzepte entwickelte sich das Unternehmen rasant. 2002 übernahm Dr. Grandel die Marken Phyris und Arabesque und integrierte diese in ein neues Geschäftsmodell, das 2002 mit dem Marketing-Preis ausgezeichnet wurde. Und die Erfolgsgeschichte hält an. Bis heute erhielten das Unternehmen und Michael Grandel persönlich weiterhin zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen. Als mit Augsburg eng verbundenes Unternehmen ist es auch im Kultursponsoring aktiv, speziell als Förderer des Augsburger Balletts. (hea)

Wasserkraftwerk immer noch aktiv
In der Pfladermühle, dem Stammsitz der Dr. Grandel-Gruppe, ist nach wie vor ein Wasserkraftwerk in Betrieb. Diente es früher zum Antrieb der Mühle, so wird es seit 1994 zur Stromerzeugung genutzt. Es wird elektronisch gesteuert, die Turbinenschaufelradstellung elektrohydraulisch geregelt. Das Wasserkraftwerk deckt größtenteils den Eigenbedarf in Werk 1. Abends und nachts wird der Strom ins öffentliche Netz eingespeist.

Fotos Dr. Grandel
Informationen www.grandel.de

 

Zurück