SchlossMagazin

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HÖRT HÉJA! Augsburgs neuer GMD Domonkos Héja

Seit Wochen begegnet den Augsburgern auf den Plakatwerbeflächen ein gut aussehender Mann mit der „Pst“!-Geste: Hört Héja!

 

heja@Nick-SchölzelJa, es lohnt in der Tat, aufmerksam hinzuhören, wenn der in Budapest geborene Domonkos Héja als frisch gekürter Generalmusikdirektor des Theater Augsburg den Taktstock schwingt. Es gibt Dirigenten, die nicht allein mit profundem musikalischem Können beeindrucken, sondern denen man ebenso gerne zusieht. Sie spiegeln mit ihrer Körpersprache die Dynamik, das sprühende Temperament und die Magie eines schwebend-transparenten oder opulenten Orchesterklangs, den sie mittels Taktstock und intensiver Probenarbeit in ausdrucksvollen Partituren lebendig leuchten lassen. Als Zuschauer hat man das Gefühl, dass Noten und Rhythmus und damit die geballte Energie und Schönheit der Kompositionen tanzend gestaltet werden. Wenn man Glück hat, kombinieren die Dirigenten dabei Prägnanz mit Eleganz, sie artikulieren die Musik mit bestechender Präsenz. Zu diesen Dirigenten zählt fraglos Domonkos Héja, der seit Beginn der Spielzeit 2015/16 das Philharmonische Orchester Augsburg leitet.

Wer ihn z.B. in den Sinfoniekonzerten in der Kongresshalle erlebt, spürt schnell, wie intensiv er sein Publikum inspiriert und mitreißt, aber auch, wie beeindruckt Héja selbst von seinem neuen Augsburger Klangkörper ist. „Die Augsburger Philharmoniker sind einfach fantastisch“ schwärmt er, der schon mit zahlreichen Orchestern gearbeitet hat. In Erinnerung blieb, wie er sich beim anhaltend intensiven Schlussapplaus zum 1. Sinfoniekonzert dezent und sympathisch in die Reihen der Streicher stellte und damit auch signalisierte, dass er sich als „Gleicher unter Gleichen“ empfindet. Der Platz auf dem Pult vorne blieb leer, die „Bravos“ galten so einer brillanten musikalischen Gemeinschaftsleistung.

„Zugegeben“, so Héja, „ich habe so meine kleinen Probleme mit allzu großer Anerkennung und dem Rampenlicht. Da geht es mir vielleicht wie manchen Frauen, die mit Komplimenten nicht wirklich gut umgehen können, weil sie womöglich beschämt sind.“ Das kann man aber lernen, lieber Herr Héja, speziell in Augsburg, wo man seinen GMD auf Händen trägt!

Ganz sicher trägt ihm diese Haltung die Sympathie der derzeit 75 Orchestermusiker und des Sängerensembles ein. Wie alle anderen Menschen bevorzugen sie am Theaterarbeitsplatz ein wertschätzendes, angstfreies Arbeitsklima, in dem sich virtuoses Können und Leistung optimal entfalten dürfen. „Mit Offenheit kann ich die erwünschte Qualität in der Zusammen- und Probenarbeit erreichen. Ich versuche, mich nicht zu verstellen, ich sage meine Meinung deutlich und hoffe, dass sie ebenso akzeptiert wird wie ich meine Mitarbeiter respektiere.“ Am Ende zählt das Resultat. Denn so, wie er sich beim Publikum Gehör über die Musik verschafft, so gewinnt er die Aufmerksamkeit seines Orchesters über die Ehrlichkeit in der Arbeit.

Auch während der Proben zu einer Opernproduktion verzichtet er am liebsten darauf, „zu kämpfen“ und seine Position gnadenlos durchzusetzen etwa gegenüber dem Regisseur. Leben und leben lassen, soweit dies nicht auf Kosten der Musik geht. Nervend empfindet Héja es lediglich, wenn ein Regisseur z. B. gar keine Noten lesen kann, was ihm leider immer öfter begegnet.

Domonkos Héja profiliert sich frei von jeglichen Chef-Allüren; der Umgangston mit seinen Mitarbeitern im Theater, die mit ihm die Räume in der dritten Etage des Verwaltungsgebäudes teilen und ihm auch während des Pressegesprächs die Post oder den Kaffee bringen, ist überaus herzlich und entspannt. Über die Musik allerdings profilierte er sich in den zurückliegenden Berufsjahren bereits hinlänglich. Die Liebe zur ihr wurde ihm als Sohn eines Bratschisten an der Budapester Staatsoper in die Wiege gelegt; er verbrachte schon einen Großteil seiner frühen Kindheit inmitten des Orchesters. Dann folgte die musikalische Bilderbuchkarriere: Am Budapester Konservatorium studierte er Schlagzeug und Klavier, anschließend Dirigieren bei Ervin Lukács an der Franz-Liszt-Akademie. Mit gerade einmal knapp 19 Jahren gründete er das „Danubia Jugendsinfonieorchester“. Mehrere CD-Einspielungen zeugen heute noch von dieser Tätigkeit und sind auch in deutschen Rundfunkanstalten (u. a. BR Klassik) zu hören. Dem Orchester, das mittlerweile von der Selbstverwaltung eines alten Budapester Stadtteils gefördert wird, ist Domonkos Héja nach wie vor verbunden. 1998 ging er beim 9. Internationalen Budapester Dirigentenwettbewerb des ungarischen Fernsehens als erster Sieger hervor. Diese Auszeichnung hatte vor ihm noch kein Ungar erhalten. Als 29-Jähriger erhielt er zudem den renommierten Liszt-Preis, die wichtigste nationale Anerkennung für musikalische Leistungen in Ungarn. Schon 2001 begann Domonkos Héja an der Ungarischen Staatsoper zu arbeiten, wo er ab 2012 als Generalmusikdirektor wirkte. Darüber hinaus war Domonkos Héja von 2005 bis 2012 erster Kapellmeister am Theater Chemnitz. Sein Repertoire umfasst neben konzertanten Werken, zeitgenössischer Musik und einem breiten Opernrepertoire auch Oratorien und Sakralwerke sowie die wichtigsten Sinfonien, Ballette, Operetten und Musicals. Die Antwort auf die Frage nach Schwerpunkten verweigert er charmant. „Wenn Sie behaupten, dass Sie sehr gerne Tomatensuppe essen, dann heißt das nicht, dass Sie nicht ebenso gerne andere Speisen mögen.“

Doch den einen großen musikalischen Wunschtraum muss es doch geben? Ja, in Augsburg würde er liebend gern Wagners Ring dirigieren. Das dürfte sich mit den Interessen des hiesigen Theaterpublikums bestens vereinbaren lassen und das wäre sicher auch die folgerichtige Fortsetzung dessen, was Héja als seine „Märchenstory“ mit der Stadt Augsburg bezeichnet. Die Ernennung zum GMD fügte sich nahezu schicksalhaft in sein Leben. Augsburg, ein Wintermärchen? Genau in der Nacht vor seinem 40. Geburtstag am 20. Dezember 2014 nämlich erfuhr er noch in der Online-Ausgabe der Augsburger Allgemeinen, dass sich die Findungskommission für ihn als lange gesuchten Nachfolger von Dirk Kaftan entschieden hatte. Er hatte auf der ganzen Linie überzeugt. Womöglich hat der weihnachtlich gestimmte „Nussknacker“ beim Probe-Dirigat den nötigen Zauberzucker gestreut, denn er hatte mit grandioser Verve die Kongresshalle zum Funkeln gebracht. Kein schlechtes Geburtstagsgeschenk also, denn schon die Proben in Augsburg hatten ihm schnell deutlich gemacht, dass er sich hier wohl fühlen kann und dass er mit Land und Leuten gut auskommt.

Aus seinem Bürofenster hat er einen wundervollen Blick auf Rathaus und Perlach und dort steht er auch, wenn er sich eine kleine Zigarettenpause gönnt. Auf intensivere Entspannungspausen musste er allerdings in den letzten Monaten verzichten. Sie waren mehr als bewegt, bedeuteten nicht allein den Umzug von Budapest nach Augsburg, ein Open-Air Konzert auf dem Elias-Holl-Platz, den Spielzeitauftakt mit der fulminanten Opernproduktion „König Kandaules“, ein anspruchsvolles erstes „Fest-Spiel“-Sinfoniekonzert, ein erschütterndes, weil im Zeichen der Terroranschlags auf Paris stehendes Konzert mit rein französischem Programm („Farben für die Ohren“) sowie kurz zuvor die bereits vor dem Augsburger Engagement vertraglich vereinbarte Tournee nach Taipeh, wo er „Eugen Onegin“ einstudierte und mit einem Megaerfolg auf die Bühne brachte.

Dieses Pensum absolvierte Héja noch ganz ohne seine Familie, die wie er sehnsüchtig darauf wartet, von der Donau an den Lech zu kommen. Bislang hat sich Domonkos Héja als Gast bei Orchestergeschäftsführer Sigurd Emme in Fischach einquartiert. Die Gegend gefällt ihm so gut, dass er beschlossen hat, dort ein großes Haus für seine Familie mit zwei Töchtern (6 und 3 Jahre) und dem erst acht Monate alten Sohn zu mieten. Das private Glück und sein Familienleben schenken ihm die nötige Energie, die Balance und den Rückhalt, die zusammen die herausfordernde Tätigkeit eines GMD möglich und sinnvoll machen. Mit der anstehenden Sanierung des Hauses wird auch eine Riesenportion Elan nötig sein. Auch die Umstellung auf den neuen Intendanten und die Interims-Spielstätten – Héja hätte sich ein modernes und andernorts erprobtes Theaterzelt vorstellen können – dürften den Optimismus und die Gelassenheit, die er so entschieden verkörpert, erforderlich machen.

Wir wünschen Domonkos Héja in seiner neuen Heimat alles Gute und hoffen mit ihm, dass sein persönliches „Augsburger Märchen“ noch viele Feen bereithält, die Wünsche erfüllen und uns mit ihm weiter musikalisch bezaubern.

 

Text: Renate Baumiller-Guggenberger, Fotos: Nich Schölzel, Theater Augsburg

 

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