SchlossMagazin

Magazin für gehobenen Lebensstil in Bayerisch-Schwaben und im Fünfseenland. Exklusive, informative und spannende Unterhaltung für Leser mit Anspruch.

Fotokurs: Landschaften – hinter der Haustür …

Landschaften zählen angeblich neben dem Motiv „Mensch“ in all seinen Facetten zu den beliebtesten Fotomotiven. Die Beweggründe für eine Landschaftsaufnahme sind dabei sehr unterschiedlich. Hoch im Kurs stehen Urlaubseindrücke: Kultur, Natur oder gar Wildnis fern der Heimat. Sprich, Landschaftseindrücke, wie wir sie zu Hause nicht finden oder gar nicht kennen. Aber auch unsere direkte Umgebung lässt sich per Foto dergestalt verewigen, dass Ortsfremde sagen: Wow, diese Region muss ich unbedingt kennen lernen!

Klar…. im Urlaub, irgendwo in der weiten Welt. Fasziniert von neuen ungewohnten Eindrücken sind schnell interessante Motiv ausgemacht. In der heimischen Umgebung fällt dies anfangs häufig schwer. Die Kunst besteht darin, aus wilden Ansammlungen von Bäumen, Wiesen oder Äckern ein ästhetisches Motiv herauszulösen.
Wie werden aus alltäglichen Szenen ansprechende Motive? Macht es die Technik? Ganz im Gegenteil, Ihr offenes Auge ist der Schlüssel: Nutzen Sie Linien, Formen ebenso wie Strukturen und Farben. Jetzt  erst kommen technische Aspekte wie Belichtung und Schärfentiefe ins Spiel, um Stimmungen zu vermitteln. Das gilt gleichermaßen für gelungene Urlaubsmotive wie für heimische Landschaftsaufnahmen.

Folgen Sie Ihrer Idee

Robertz 20100402_070345_mrobertzWährend der Maler störende Bildelemente kurzerhand ausblendet, muss der Landschaftsfotograf nach einem geeigneten Standpunkt suchen, bis diese verdeckt sind. Gehen Sie so nah wie möglich an das Motiv heran und konzentrieren Sie sich auf ein einziges Bildelement: Weniger ist mehr! Positionieren Sie Ihr Hauptelement seitlich. Folgen Sie dabei der Drittel-Regel: Landschaften wirken harmonischer, wenn Sie das Motiv horizontal und vertikal in jeweils drei Abschnitte teilen und bildwichtige Elemente auf einen der Schnittpunkte setzen. Das entspricht einer vereinfachten Aufteilung vom sog. „Goldenen Schnitt“. Nehmen Sie sich dazu Zeit – lassen Sie das Motiv auf sich wirken. Probieren Sie unterschiedlichste Perspektiven, das erhöht Ihre Chance auf exzellente Ergebnisse im Quer- wie im Hochformat. Denken Sie in Teilbildern! Gliedern Sie die vor Ihnen liegende Landschaft in Teilbilder. Experimentieren Sie mit der vollen Brennweite Ihres Objektivs. Integrieren Sie Bildelemente im Vordergrund. Anschließend reduzieren Sie die Bildinhalte auf ein Minimum. Ein Weitwinkel-Objektiv bedeutet nicht, mehr Bildelemente zu integrieren, sondern möglichst nah an das Hauptmotiv heranzugehen. Mit dem Tele-Objektiv verdichten Sie Zwischenräume – etwa, die Bodenhügel auf einem Feld oder den Föhnblick über die Seen auf die nahen Alpen.

Fototechnisches Zusammenspiel

20100326_162605_mrobertzGanz ohne Technik geht es dann doch nicht. Grundsätzlich gilt: Automatik-Einstellungen führen langfristig zu durchschnittlichen Bildern. Die Automatik basiert auf Mittelwerten und achtet auf ein geringes Verwacklungsrisiko. Emotionen aber werden mit authentischen Farben und gut platzierten Schärfeebenen transportiert. Der Reihe nach: Der Blickwinkel wird durch das verwendete Objektiv festgelegt. Ein Weitwinkelobjektiv (z. B. 24 mm) bietet einen breiten Blickwinkel (84°), dafür verliert sich der Hinter- grund in weiter Ferne. Ein Teleobjektiv (z. B. 200 mm) verdichtet den Raum und bildet den Hintergrund zum Greifen nah ab. Dafür verringert sich der Blickwinkel auf gerade einmal 10°.
Je größer die Brennweite, desto höher wird das Verwacklungsrisiko! Mit der ISO-Einstellung stellen Sie die „Sensorempfindlichkeit“ ein. Eine niedrige ISO-Zahl (z. B. 200) lichtet satte Farben mit geringem bzw. gar keinem Bildrauschen ab. Dafür benötigen Sie eine längere Belichtungszeit. Bei hohen ISO-Zahlen (z. B. 800 aufwärts) hingegen ist ein deutliches Bildrauschen zu erkennen.

Im Gegenzug nutzen Sie eine kürzere Belichtungszeit. Ob Ihr Bild durchgängige oder nur partielle Schärfe hervorbringt, steuern Sie mit Hilfe der Blende. Eine große Blende (z. B. 4) verfügt über eine kurze Tiefenschärfe bzw. Schärfentiefe, was zu einer partiellen Schärfe führt. Während eine kleine Blende (z. B. 16) je nach Brennweite (z. B. 24 oder 200 mm) das Motiv von vorne bis hinten durchgängig scharf abbildet. Eine gute Gedächtnisstütze ist der bewährte Spruch: „Wenn die Sonne lacht – Blende 8.“ Ein Bild lebt zwar von der Schärfe, doch führt auch eine bewusste Unschärfe zu reizvollen Bilddokumenten.

20111126_170925_mrobertzIn erster Linie fotografieren Sie „reflektiertes Licht“. Ganz gleich ob es die Auwiesen entlang der Paar oder die Strommasten an der BAB 8 sind. Das vom Motiv reflektierte Licht formt immer das Bild. Set- zen Sie den Weißabgleich ein. Die Automatik deckt zwar einen gro- ßen Farbbereich ab. Doch woher soll die Automatik wissen, welchen Farbtouch Sie abbilden wollen? Nutzen Sie die Feineinstellungen wie „direktes Sonnenlicht“, „bewölkter Himmel“ oder „Schatten“. Mit ein bisschen Übung bildet schließlich der individuelle Weißabgleich „Ihre Sinne für Farben“ auf dem Sensor ab.

Hochspannung im städtischen Umfeld

Wem das zu viel grüne Natur ist, der findet im städtischen Umfeld beim Blick durchs Okular beispielsweise kilometerlange Hochspannungsleitungen. Neben der BAB 8 bei Derching bieten sich diese, verdichtet mit einem Teleobjektiv, in der Abendsonne als Motive an. Der Blick von der Gögginger Brücke auf den Hauptbahnhof offenbart ein Wirrwarr von Schienen und Oberleitungen. Gekoppelt mit einem abendlichen Gewitterschauer birgt der Blick ein farbenkräftiges Naturschauspiel inmitten der Stadt. Gleiches gilt für den Blick vom obersten Parkdeck der City-Galerie auf St. Ulrich. Auch hier gewinnt das Motiv durch den leuchtenden Abendhimmel. Betont wird die Szene durch die Flutlichtscheinwerfer, die in diesem Moment eingeschaltet wurden.

 

Nützliches Zubehör

Morgensonne im PaartalEin stabiles Stativ hilft bei Langzeitbelichtungen und Bildserien. Ein so genannter Kugelkopf mit Schnellkupplung gewährleistet kreative Bewegungsfreiheit auf dem Stativ. Die Schnellkupplung erlaubt es, die Kamera auch flott für einen Schnappschuss ohne Stativ zu nutzen. Hilfreich ist ebenfalls ein Fernauslöser (Kabel oder Funk); so vermeiden Sie kleinste Erschütterungen auf dem Stativ während des Auslösens. Filter können je nach Funktion die Bildfarbe und Belichtungszeit beeinflussen. Der Polfilter verstärkt Blau- und Grüntöne, des Weiteren kann er auf nichtmetallischen Oberflächen Spiegelungen reduzieren oder auch „bewusst“ verstärken. Der Graufilter verlängert je nach Stärke die Belichtungszeit. So kommen Wasser und Wolken in Bewegung im Bild. Der Grauverlaufsfilter basiert auf demselben Prinzip wie der Graufilter und hilft, einen zu hellen Himmel gegenüber einem zu dunklen Vordergrund auszugleichen.

Regeln sind nur Orientierung

Denken Sie daran: Regeln sind dazu da um gebrochen zu werden! Sie dienen lediglich der Orientierung auf dem Weg zu interessanten und eindrucksstarken (Landschafts-) Aufnahmen. Was zählt, ist Ihr foto- grafischer Blick! Viel Spaß beim Sehen, Entdecken und Fotografieren. P.S.: Ausdrucksstarke Landschaftsbilder fotografieren Sie am besten kurz vor oder nach Schlechtwetterphasen. Ein strahlend blauer, wolkenloser Himmel hingegen wirkt häufig gähnend langweilig.

Text und Fotos: Mark Robertz

Informationen zu Workshops und Fotoreisen bzw. Exkursionen: www.markrobertz.de

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