SchlossMagazin

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Fotokurs: Landschaften – hinter der Haustür … Teil 2

Je nach Jahreszeit tragen auch Landschaften immer wieder neue Kleider, die manchmal so schön sind, dass man sie einfach im Bild festhalten muss. Doch wie schafft man es, diese Naturkreationen und die Stimmung, die sie verbreiten, mit der Kamera einzufangen? Im ersten Teil hatte Landschaftsfotograf Mark Robertz gezeigt, wie sich die Reize der Landschaften im Frühjahr und Sommer optimal fotografisch festhalten lassen. In diesem Teil gibt er Tipps zum Einfangen der Herbst- und Winter-Schönheiten.

Filter für einen farbgewaltigen Herbst

robertz-0001Der Altweibersommer erwartet uns im September mit seinen mil- den Temperaturen hinter der heimischen Haustür. Die Wälder verfärben sich zusehends, bis sie schließlich gold-orange in der späten Nachmittagssonne leuchten, während die Schatten länger und die Tage kürzer werden. In diesen Tagen darf auch der Landschaftsfotograf morgens wieder etwas länger schlafen, bis die „Blaue Stunde“ mit dem ersten Fotolicht lockt. Die Paar- oder Schmutterauen sind nach kalten Nächten in eine dünne Nebeldecke gehüllt. Wolkenfetzen werden vor Sonnenaufgang violett verziert und der Nebel verdichtet sich mit dem Sonnenaufgang, bis er schließlich von der Vormittagssonne verbrannt wird. Mit Hilfe eines Polfilters lassen sich neben Blau- und Grüntönen auch die Herbstfarben dezent verstärken. Ein Grauverlaufsfilter dunkelt den meist zu hellen Himmel ab und lässt damit die Konturen im Nebel hervortreten. Mit einem Graufilter werden die Belichtungszeiten verlängert, was den Nebel durchaus komplett verschwimmen lassen bzw. weichzeichnen kann.

Mit den ersten Stürmen werden regenschwere Herbstwolken durchs Land gepeitscht. Sie verhelfen uns zu bombastisch wirkenden Feldlandschaften. Auch die Auen mit ihren Schilfwiesen wirken jetzt wie in Bewegung versetzt. Es folgen Inversionswetterlagen im späten Oktober bis in den November hinein. Sie lassen das flache Land in einem trüben Nebelmeer verschwinden. Nieselregen und Nebel wechseln sich ab. Bei Regen gilt übrigens: Regenwetter ist Waldwetter. Die Hochlagen der bayerischen Alpen und des Bayerischen Waldes präsentieren sich in dieser Zeit meistens mit strahlend blauem Himmel hoch über dem Nebelmeer und zeigen beeindruckende Sonnenauf- und -untergänge.

Mit Weißabgleich zu naturgetreuem Schnee

robertz-0003Während die Temperaturen weiter sinken, überpudert der erste Schnee die mittlerweile trist wirkende Herbstlandschaft. Der Dezember mit kalten Minustemperaturen lässt den Schnee jetzt auch im Flachland länger liegen. Ich gebe zu, es kostet einiges an Über windung, sich an einem dunklen und meistens auch recht frostigen Wintermorgen auf den Weg zu machen. Bei umsichtiger Planung und mit den passenden Witterungsbedingungen werden die Mühen aber spätestens bei Sonnenaufgang belohnt. Hier bieten sich Phasen von Kälteeinbrüchen oder abziehende Tiefdruckgebiete an. Die Luft ist jetzt besonders klar, was uns zu einer außergewöhnlichen Weitsicht verhilft.

Um den Schnee möglichst naturgetreu (ohne Blau- oder Gelbstich) abzubilden, bietet der Weißabgleich der Kamera gute Möglichkeiten. Gemessen bzw. angegeben wird die Farbtemperatur übrigens in Kel vin. Bei strahlend blauem Himmel empfiehlt sich eine niedrige Kelvin- einstellung (zwichen 3.600 und 5.200 Kelvin). Schneebilder bei Ne- bel oder einem bedeckten Himmel vertragen je nach Lichtstimmung bis an die 7.000 Kelvin. Zur Orientierung die Standardvorgaben der Kameras: direktes Sonnenlicht liegt bei 5.200, bewölkter Himmel je nach Kameramodell zwischen 6.000 und 7.000 Kelvin. Die Einstel- lung „Schatten“ ist ebenfalls vom Kameramodell abhängig und liegt bei 7.500 bis 8.000 Kelvin. Alternativ kann der Weißabgleich auch zu Hause in der Bildbearbeitung angepasst werden.

Winter-Faszination im Gebirge

robertz-0004Die Bayerischen Alpen bieten in der kalten Jahreszeit hervorragende Landschaftsmotive. Auf dem Weg in die Berge präsentiert der Auerberg bei Bernbeuren einen Weitblick über das Ostallgäu auf die nahen Gipfel der Tannheimer und Ammergauer Berge. Sein weiter östlich gelegenes Pendant, der Hohepeißenberg, erlaubt den Blick über das Werdenfelser Land auf das Wettersteingebirge. Wer die volle Faszination des Winters sucht, findet auf der Zugspitze gerade nach einem Sturmtief konkurrenzlose Wintermotive. Während die Höhenzüge des Bayerischen Waldes in den ersten Winterwochen sturmgepeitscht und wolkenumwoben verwaisen, präsentiert der Spätwinter auf dem Gipfelplateau des Großen Arbers sagenumwobene Märchengestalten: die Arbermandl. Tief verschneit, von der Schneelast im Sturm zu Boden gedrückt, verharren die Baumwesen steif gefroren, bis die ers-ten wärmenden Sonnenstrahlen im folgenden Frühjahr sie zu neuem Leben erwecken.

Fit for Fun für alle Beteiligten

Damit die Kamera den Wintertemperaturen trotzen kann, ist es wichtig, mit einem vollen Akku auf Motivsuche zu gehen. Ein weiterer Akku (ebenfalls frisch geladen) sollte möglichst nah am Körper getragen werden, so dass er warm bleibt und die Spannung hält. Damit ich warm bleibe, nutze ich warme Schuhe am liebsten mit Wollsocken. Am Oberkörper trage ich meistens eine dicke Daunenjacke mit Kapuze, dazu eine Fellmütze. Die Handschuhe sollten nicht zu dick sein, denn die Kamera muss noch sicher bedient werden. Wenn es wieder in die gute warme Stube geht, verpacke ich meine Kamera samt Objektiv in eine Plastiktüte und lege diese in einen kühlen Raum. So lässt sich Kondenswasser weitgehend vermeiden.

Winterbilder im Frühjahr

Während sich im April das frische Frühlingsgrün im Flachland ausbreitet, bäumt sich in den alpinen Hochlagen der Winter ein letztes Mal auf. Den höchsten Schneestand misst die Zugspitze beispielsweise Ende April. In den Mittelgebirgen hält sich der letzte Schnee je nach Höhenlage bis weit in den April hinein. Beste Fotozeit ist jetzt der späte Vormittag, wenn das kräftig frische Weiß unter dem oft blauen bayerischen Himmel erstrahlt. So lässt sich der „fotografische“ Winter auch in unseren Breiten bis in den späten Frühling ausdehnen. Ganz allgemein gelten auch für Herbst- und Winteraufnahmen die Tipps und Tricks, die ich in der ersten Folge des Fotokurses darlegte. Und nun viel Spaß beim Erleben der schönsten Herbst- und Winterimpressionen!

Zum Autor:

robertz-0006Mark Robertz istimmer auf der Suche nach ungewöhnlichen Blickwinkeln, häufig abseits bekannter Wege. Im richtigen Licht am richtigen Ort, bei jeder Witterung, zu jeder Jahreszeit. Sein fotografischer Blick konzentriert sich in erster Linie auf Landschaften, wie sie von der Natur geformt und durch menschliche Nutzung und Kultur gestaltet wer- den. Mit seinem Verständnis für Naturräume und urbane Strukturen komponiert er visuelle Eindrücke und vermittelt Botschaften zwischen realer Dokumentation und optimierter Wirklichkeit. Sein Wissen gibt er regelmäßig in Workshops und auf Fotoreisen bzw. Exkursionen an Interessierte weiter. www.markrobertz.de

Text und Fotos: Mark Robertz

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