SchlossMagazin

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Christian Grünwald in der Haag-Villa

Bald dürften sich Kochkunst und Baukunst aufs Vortrefflichste in der Augsburger Haag-Villa vereinen lassen: Der Zwei-Sterne-Koch Christian Grünwald wird zum 1. April kommenden Jahres mit seinem Restaurant „August“ aus dem Augsburger Domviertel in das erste Obergeschoss der ehemaligen Direktorenvilla umziehen.

Text: Hannelore Eberhardt-Arntzen

2015_09_04_Haag_Villa_02_WebSeit 25 Jahren kocht Christian Grünwald in Augsburg auf höchstem Niveau. 1964 im Allgäu geboren, zog es den kunstsinnigen Spitzenkoch nach seiner Ausbildung in die Welt hinaus. Erst in der Schweiz und Luxembourg, dann in Amerika und schließlich in der Karibik sammelte er Erfahrungen und Inspirationen, die er in seinen Menükreationen umsetzt. 2007 erhielt er den ersten Michelin-Stern; im Jahr 2009 kam der zweite hinzu. Die Inspektoren des Guide Michelin 2015 Deutschland attestieren Christian Grünwald seine ganz eigene Handschrift: „Was dem Restaurant das künstlerische Design, ist seiner Küche der innovative, gewagte, eigenwillige und auf jeden Fall alles andere als gewöhnliche Stil – ebenso einzigartig wie exzellent!“ Gäste bescheinigen ihm „sehr kreative Speisen mit vielen Geschmacksrichtungen“, „sehr viel Liebe zum Detail“ oder „unendliche Ideen“. Ein Blick in die Speisekarte – vielgängige Menüs gibt es ab 130.- € – macht neugierig: Da gibt es so ungewöhnliche Leckereien wie Gurken-Marshmallows, Pralinen vom Eichelschwein & Perlen von der Sau „Knusper“ oder süße „Strandschnecken“. Was sich im Einzelnen dahinter verbergen mag – der Gast sollte sich überraschen lassen. Er wird nicht enttäuscht werden, sofern er sich gerne auf kulinarische Experimente einlässt. Wer auf einen Schweinsbraten spekuliert, ist hier allerdings fehl am Platz (auch wenn Christian Grünwald sicherlich eine köstliche Version zaubern könnte). Speist man im August, isst man nicht – man nimmt quasi Kunstwerke zu sich und bekommt pro Menügang gleich zweierlei Genüsse offeriert: die phantasievoll angerichteten Speisen, deren Arrangement man am liebsten gar nicht „zerstören“ möchte und den feinen Geschmack der Gerichte, der auf der Zunge zergeht.

2015_09_04_Haag_Villa_01_WebDerzeit noch in der Frauentorstraße beheimatet, suchte Christian Grünwald lange nach einem geeigneten neuen Domizil, das auch optisch seinen hohen Ansprüchen genügte. Nun hat er mit der historischen Haag-Villa, die sich im Besitz der Stadtwerke Augsburg befindet, seinen Bestimmungsort gefunden. Schon jetzt platzt der Sternekoch förmlich vor Ideen. Er möchte „die Ästhetik des Hauses aufsaugen und in seine Arbeit einbeziehen“, die „Baukunst in Einklang bringen mit der Kochkunst“, begeistert er sich. Aktuell wird das Erdgeschoss der Villa vom Besitzer für Events wie Tagungen, Konferenzen, Empfänge, Vorträge oder Matineen genutzt. Nun soll das Gebäude aus der Gründerzeit laut Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Walter Casazza durch den Einzug der Spitzengastronomie noch weiter der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden: „Wir sind froh, mit Herrn Grünwald einen Mieter gefunden zu haben, der mit seinem Konzept in dieses Ambiente optimal passt“, so Casazza. „Mit der Spitzengastronomie im Obergeschoss bleibt das Gebäude allgemein zugänglich, anders als es bei einer Vermietung als Büroräume gewesen wäre. Wir werden das Haus aber auch immer wieder öffnen, bei Anlässen wie ‚Augsburg open‘, dem ‚Tag des offenen Denkmals‘ oder Tagen der offenen Tür“, versichert Casazza.

Die Haag-Villa gilt als Kleinod der Gründerzeit-Architektur und bedeutendes Zeugnis der Augsburger Industriegeschichte. 1877 wurde sie vom Fabrikanten Johannes Haag im Stil der Neorenaissance nach italischem Vorbild als Direktorenvilla auf dem Gelände seiner damaligen „Maschinen- und Röhrenfabrik“ erbaut. Der Erfinder und Industrielle Haag gilt als Pionier der Zentralheizung. 1890 wurde die Villa vom Gründerzeit-Architekten Jean Keller umgestaltet und erweitert. Von ihm stammt übrigens auch das Kurhaustheater in Augsburg-Göggingen. Bis 2007 vermietet, wurde die Villa nach einem Wasserschaden für rund drei Millionen Euro umfangreich restauriert. Zum 75-jährigen Jubiläum der Stadtwerke wurde das Haus 2013 erstmals wieder geöffnet.

WP_20150903_11_23_17_ProIm neuen „August“ werden ab April nächstens Jahres den Gästen auf insgesamt 260 Quadratmetern verschiedene Räume zur Verfügung stehen, je nach Anzahl bzw. Größe der Gesellschaft. Maximal jeweils 16 Gäste an vier Abenden pro Woche möchte er verköstigen – mit 20 (!) Gängen. Das familiäre Ambiente ist Christian Grünwald sehr wichtig. Die Gäste sollen sich wie zuhause fühlen. Johannes Haag betrachtet der Sternekoch quasi als Vorbild. Was für den Industriellen die technischen Erfindungen, seien für ihn die kulinarischen Entdeckungen, die es zu machen gelte: „Ich möchte die Inspiration verinnerlichen, einen Ort der Kulinarik schaffen und in die Welt hinaustragen.“ Das überquellende Füllhorn auf dem Deckengemälde in einem der Räume mag dafür als Symbol stehen. Bei der Unterzeichnung des Mietvertrags Anfang September konnten die Anwesenden bereits einen kleinen Vorgeschmack genießen: In Anlehnung an die Röhren des Johannes Haag kredenzten Christian Grünwald und sein Team essbare, gold-überzogene Gebäck-Röhren mit dreierlei Füllungen, Wasabi, Tatar vom Ochsen und Aal, fantasievoll serviert auf Tabletts mit Keksbröseln, die den Erdboden symbolisierten. Ein grüner Smoothie wurde, wie konnte es auch anders sein, mit zwei Tropfen Himbeer-Kernöl aus der Pipette vor den Augen des Gastes verfeinert. Seine persönliche Lieblingsspeise seien übrigens Schnecken, verriet der „Picasso der Küche“. Im Frühjahr nächsten Jahres dürfen sich jedenfalls die Gäste, darunter viele Stammgäste, die aus dem Umland, aber auch bis aus Übersee kommen, auf neue raffinierte kulinarische Kreationen freuen, die mit großer Wahrscheinlichkeit vom neuen Ambiente inspiriert sein werden.


Informationen und Reservierungen www.restaurant.michelin.de
Email: herd.licht@gmx.de
Telefon: 0821-35279

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