SchlossMagazin

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Hotel Bayerischer Hof Starnberg – Lebendige Tradition

Nach Jahren im Dornröschenschlaf ist ein Traditionshaus wieder zum Leben erwacht: das Hotel Bayerischer Hof in Herzen Starnbergs.


Geschafft haben dies Nicolas Schrogl mit tatkräftiger Unterstützung seiner Familie und seines Teams. Der junge Hotelier hat das denkmalgeschützte Gebäude samt umgebendem Areal, das sich im Besitz der Stadt befindet, seit 2009 gepachtet und will es nun in liebevoller Detailarbeit Schritt für Schritt zu seinem alten Glanz zurückführen. Was ein Stück weit bereits wunderbar gelungen ist.

Cover20150814_Nicolas-Schrogl_Bayr.Hof-47.geaendertDen Einstieg in den Beruf des Hoteliers fand Nicolas Schrogl eigentlich über seinen Vater, der eine stille Beteiligung an dem Hotel besaß und sich ab 2004, noch unter dem früheren langjährigen Pächter Rudolf Gaugg, um die Instandhaltung kümmerte. Nicolas Schrogl hatte ursprünglich einen anderen Berufsweg eingeschlagen und kam durch eine Aushilfstätigkeit in Kontakt mit dem Hotelgewerbe. Hin- und hergerissen zwischen Studium oder Hotelgewerbe entschied er sich für letzteres. Der Kontakt mit den zahlreichen unterschiedlichen Menschen im Hotel bereitete ihm so viel Freude, dass er das Hotel zusammen mit seinem Vater betreiben wollte. Dieser zieht auch heute noch bei den Restaurierungsarbeiten die Fäden. Im Jahr 2009, nach dem Tod Rudolf Gauggs, stieg Nicolas Schrogl in den alten Pachtvertrag ein. Doch es gab immer noch viel zu tun – das alt-ehrwürdige Gebäude war baulich heruntergekommen. Ab 2010 wurde sehr viel investiert und renoviert; ein Zimmer ums andere wurde geschmackvoll neu möbliert. Heute erstrahlt der Bau in weiten Teilen in neuem Glanz und Nicolas Schrogl möchte das verbleibende Potential noch weiter ausbauen und nutzen.

Cover20150814_Nicolas-Schrogl_Bayr.Hof-47-1.geaendertDas genaue Baujahr des massiven dreigeschossigen Satteldach-Gebäudes mit herrlichem Blick auf den See ist nicht ganz geklärt. Einem Reiseführer aus dem Jahr 1866 lässt sich entnehmen: „Der Gasthof des Hrn. Florenz unmittelbar am Bahnhofe geht seiner Vollendung entgegen.“ Somit kann man schließen, dass der Baubeginn wohl 1865 gewesen sein muss. Im Baedeker aus dem Jahr 1873 wird das Hotel Bayerischer Hof bereits als erstes Haus am Platz geführt. 1880 pachteten Johann und Theresie Harffen von Bayern das Hotel und gründeten hier den „Gasthof zum Harffen“. Im Fin-de-Siècle erlebte der Bayerische Hof seine Blütezeit. Auf dem Vorplatz mit dem eleganten Rondell fuhren die Kutschen der hohen Herrschaften vor, die sich hier in den Sommermonaten einquartierten. Zu den prominentesten Gästen soll die Kaiserin von Österreich, die im nahen Possenhofen ihre Kindheit verlebt hatte, gehört haben.1905 ging das Hotel in den Familienbesitz der Wittelsbacher über. Doch schon der Erste Weltkrieg läutete das Ende der mondänen Sommerfrische am Starnberger See ein. In den Jahren 1942-45 diente das Hotel sogar als Notunterkunft für Kranke und Verletzte und erlebte den Tiefpunkt seiner Hotelgeschichte. Im Besitz des Herzöglichen Brauhauses Tegernsee befindlich, sanierte 1952 die „Hotelbetriebsgesellschaft Starnberg“ das Haus gründlich, zum Glück ohne seine Architektur zu zerstören. 1969 erwarb die Stadt Starnberg das Gebäude aus städtebaulichen Erwägungen heraus. Mitte der achtziger Jahre sollte es zu Gunsten eines Neubaus abgerissen werden, was jedoch ein massiver Bürgerprotest verhinderte. 1984 übernahm die Pacht Rudolf Gaugg, dem der Erhalt des Gebäudes sehr am Herzen lag. 1999 entschied das Landesamt für Denkmalpflege, die historische Hotelanlage in die Denkmalliste aufzunehmen.

Cover20150814_Nicolas-Schrogl_Bayr.Hof-47-0.geaendertMit viel Fingerspitzengefühl treiben Nicolas Schrogl und sein Vater die bereits erfolgte Sanierung weiter voran. Der Treppenaufgang an der Rezeption in den ersten Stock hinauf, der große Hotelspiegel sowie diverse Bilder wurden im Original erhalten. Stuckverzierungen wurden ausgebessert und auch die Fenster nur saniert und nicht erneuert. Die nach neuesten Anforderungen ausgestatteten Zimmer ermöglichen großenteils den Ausblick Richtung See. Das Highlight des Hotels ist die König-Ludwig-Suite, welche im dritten Stock zur Seeseite hin zwischen den beiden Balkonen gelegen ist. Durch die Glasfront ist ein atemberaubender Blick über den See zu genießen. Aus einer ehemaligen Abstellkammer wurde um 1990 das beliebte Café Prinzregent, gestaltet im Stil eines Wiener Kaffeehauses. Auch von der Sonnenterrasse des frisch renovierten Cafés aus gleitet der Blick über den See. Dass die Gäste bequem mit der Bahn anreisen können, garantiert die nahe S-Bahn-Station. Die griechische Taverna im Souterrain hat seit 2010 einen eigenen Pachtvertrag und gehört nicht zum Hotel.

In näherer Zukunft soll das Hotel komplett saniert werden, um auch die Zimmer, die aus Gründen des Brandschutzes den Gästen noch nicht zur Verfügung gestellt werden können, vermieten zu können. Und Nicolas Schrogl hat noch weitere Pläne: Hinter dem Gebäude würde sich ein Anbau mit Verbindung zum Altbau anbieten, um die Zimmerkapazitäten zu vergrößern. Auch ein Spa-Bereich und ein eigenes Restaurant befinden sich laut Schrogl im Bereich des Möglichen. Nur so viel steht fest: Die Stadt Starnberg kann sich glücklich schätzen, in Nicolas Schrogl einen Pächter gefunden zu haben, der großen Wert legt auf die stilvolle Erhaltung und adäquate Nutzung dieses traditionsreichen Gebäudes. (hea)

Hotel Bayerischer Hof Starnberg
Bahnhofplatz 12
82319 Starnberg
Tel. 08151-27 50
Fax 0 8151-12 190
info@hbh-starnberg.de
www.hbh-starnberg.de

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