SchlossMagazin

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Juliane Banse – Zwischen MET und Mutter sein

Die Sopranistin Juliane Banse ist am Ammersee zu Hause und beglückt mit ihrer Stimme Opernbesucher in aller Welt. Im August wird sie in St. Ottilien die AmmerSeerenade eröffnen, in der Uraufführung „Gaia“ von Wilfried Hiller. Besuch bei einer Frau, die eine internationale Karriere und den Alltag als Mutter von drei Kindern unter einen Hut bekommt.

Text: Miriam Anton

Ein Feldweg mitten im Grünen, auf der einen Seite der Ammersee, auf der anderen der Schatzberg. Hier liegt das Haus der international gefragten Opernsängerin Juliane Banse. Das Tor steht offen. Die attraktive 46-Jährige mit lockigem Haar, dezenter Schminke und schwarzem Sommerkleid geht voran in ein geschmackvoll eingerichtetes Haus. Im Flur steht ein neuer Tischkicker, die steinerne Terrasse führt zum weitläufigen Garten mit Pool und Fußballwiese. Ein Mädchen im Sommerkleid schaut die Besucher neugierig an – Juliane Banses vierjährige Tochter Nuria. Sohn Lucas (12) ist gerade beim Fußball und der ältere Florian (14) auf einem Orchester-Ausflug. Nuria schaut zu, wie ihre Mama für den Fototermin posiert. Sie ist darin ein Profi. Als es heiß wird, greift sie zu einem Päckchen mit chinesisch aussehenden Schriftzeichen, darin schwarze Puder-Blättchen, mit denen sie sich die Stirn abtupft. „Habe ich von einer Schülerin meines Mannes aus Korea“. Wie ihr Mann, der Dirigent und Violinist Christoph Poppen, ist auch Juliane Banse viel unterwegs und tritt mit internationalen Größen auf. Ein Drittel des Jahres gibt sie Konzerte in England, China oder Japan, die anderen zwei Drittel probt sie und kümmert sich um die Kinder. Juliane Banse ist diszipliniert. Als ihre Tochter acht Monate alt war, sang sie sechs Stunden die Eva in Wagners ‚Meistersinger von Nürnberg‘. „Ich hatte ein tolles Kindermädchen und konnte zwischendurch stillen.“ Der Fotograf möchte Bilder von Juliane Banse auf der Schaukel im Garten machen, mit der man fast den Himmel erreichen kann, so hoch hängen die Seile in der alten Linde. Sie schwingt sich fröhlich in die Luft. Ausgerechnet jetzt will Nuria auch auf die Schaukel, aber sie muss warten. Trotz Hitze und Mücken bleibt die Sängerin und ausgebildete Balletttänzerin gut gelaunt. Nach dem Foto-Shooting serviert Juliane Banse Espresso aus Kapseln. Mit etwas schlechtem Gewissen, gibt sie zu, wegen des Alu-Verpackungsmülls. Das Interview beginnt. Nuria will jetzt endlich die Aufmerksamkeit ihrer Mutter. Geht das, eine Strauss-Oper einüben, zwischendurch zum Kindergarten fahren, Aufräumen und Mittagessen vorbereiten? „Es ist nicht so mystisch und künstlerisch wie man denkt, es ist auch viel simple Paukerei dabei“, sagt sie bescheiden. Muss man Perfektionistin sein? „Man muss perfektionistisch sein, aber man wird nie fertig, muss sich alles immer neu erarbeiten. Beim Muttersein habe ich es aufgegeben, perfektionistisch zu sein, da wird jeder scheitern, der es versucht.“ Von ihren Söhnen muss sie sich viel Kritik anhören, wenn sie Playstation und iPod zeitlich reglementiert. Doch die beiden waren es auch, die ihre Mutter sofort unterstützt haben, als sie vor einer neuen Herausforderung stand. An einem der Vormittage, als sie im Wohnzimmer probte, klingelte das Telefon, ein Anruf aus New York: die MET mit einem Job-Angebot für die Zdenka in Richard Strauss‘ „Arabella“. Der Ritterschlag im Leben einer Opernsängerin. Sie reagierte nicht euphorisch sondern pragmatisch, es ratterte in ihrem Kopf: Wie mache ich das mit den Kindern, wenn ich sechs Wochen weg bin? „Als die Jungs von der Schule nach Hause kamen, hab‘ ich sie gleich gefragt, ob sie wissen, was die MET ist. „Klar, Mama, mach‘ das! haben sie gesagt. Nuria war damals zwei Jahre alt, das war schon schwieriger.“ Aber es hat geklappt. Ihr Mann, der nach Mexiko musste, hat die Tochter für zehn Tage nach New York gebracht und auf seiner Rückreise wieder abgeholt. Mutter und Tochter besuchten täglich einen Spielplatz im Central Park. „Da gab es eine tolle Schaukel, wo man sich nicht festhalten musste“, erinnert sich Nuria. Wie ist es, wenn ein Traum real wird? „New York ist berauschend aber auch anstrengend. Die MET ist eine Opernfabrik, ein Massenbetrieb, es weht ein rauer Wind. Ansonsten ist es wie überall auch, die machen auch den Mund auf und singen – und sie arbeiten hart.“ Ein Unterschied sind die fehlenden öffentlichen Subventionen. „Wir vergessen manchmal, wie privilegiert wir hier sind.“ Juliane Banse musste zu Sponsoren-Dinner gehen, um für Spenden zu werben, das gehörte zum Vertrag. „Die Theatermacher sind nicht wirklich frei, weil sie dem Geschmack hinterherarbeiten müssen, das Gros der großen Geldgeber ist nicht das Fortschrittlichste. Wenn dem Geldgeber die Produktion nicht gefällt, dann spendet er das nächste Mal halt für den Tierschutz.“ Nach ihrer letzten Vorstellung an der MET flog sie sofort nach Hause zu ihrer Familie. „Es gibt nichts Schlimmeres, als in solche Löcher zu fallen, wenn man im Hotel herumsitzt und die Aufführung nachwirken lässt.“ Sie trägt ihre Rollen nicht mit sich nach Hause, schaltet sofort auf Familie, das muss sie auch. „Wenn mein Sohn mit mir Französisch lernen will, ist es ihm egal, wo ich vorher aufgetreten bin.“ Ihr nächster Rollenwunsch? „Die Marschallin im Rosenkavalier ist beim Universum bestellt. Eine vielschichtige Rolle, herrlich zu singen, Strauss liegt mir perfekt. Es geht um Midlife-Crisis, ums Altwerden, um Prioritäten im Leben.“ Wie steht es mit ihrer eigenen Midlife-Crisis? „Dafür habe ich keine Zeit!“ sagt sie lachend. Jetzt freut sich Juliane Banse auf die Zusammenarbeit mit dem Komponisten Wilfried Hiller in der Uraufführung von „Gaia“ beim Eröffnungskonzert der AmmerSeerenade. Dabei singt sie nicht nur, sie trommelt und sie tanzt. Beim Konzert treten auch der aufstrebende Cellist Charles-Antoine Duflot sowie die „Academy of Taiwan Strings“, ein preisgekröntes Ensemble aus 16 Streicherinnen und Streichern aus Taiwan auf. „Es macht Spaß im direkten Kontakt mit dem Komponisten zu arbeiten. Im Gegensatz zu Strauss kann man einfach anrufen und fragen: Wie hast du das eigentlich gemeint?“ Das 2014 ins Leben gerufene Klassikfestival „AmmerSeerenade“ möchte sie unterstützen: „In der heutigen Zeit wird so viel abgeschafft und eingespart, jede Initiative, die etwas Neues schafft, ist gut.“ Endlich, das Interview ist fertig und Nuria darf jetzt mit ihrer Mama ins Wasser springen.

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Das Eröffnungskonzert mit Juliane Banse findet am Sonntag, den 30. August, um 20:00 Uhr in St. Ottilien, Klosterkirche Herz-Jesu, Erzabtei 1, statt. Kartenbestellung über die Seite www.amerseerenade.de. Infos zu Juliane Banse gibt es unter www.julianebanse.com.

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