SchlossMagazin

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Klaus Englert – Der Kunsthof Schrobenhausen

Pünktlich zum Frühjahr erblüht in Schrobenhausen eine neue kulturelle Blume in Form eines Treffpunkts der besonderen Art – sozusagen das Zentrum im Zentrum: der Kunsthof. Macher dieser einzigartigen Open-Air-Galerie ist Prof. Dr. Klaus Englert, ein Schrobenhausener Urgestein.

Nicht nur in Schrobenhausen ist Klaus Englert eine Institution. Der Rechtswissenschaftler und Autor zahlreicher juristischer Fachpublikationen war und ist Vorstand diverser deutscher Gesellschaften rund um den Bereich Bau- bzw. Architektenrecht, Dozent, Prüfer und Mediator. Klaus Englert ist ein viel beschäftigter und hoch dekorierter Mann, unter anderem Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande und dementsprechend oft unterwegs. Doch sein Herz schlägt für Schrobenhausen, seine Heimatstadt. Der Ur-Schrobenhausener – sein Stammbaum reicht mütterlicherseits zurück bis 1792 – hat hier nicht nur den Hauptsitz seiner Kanzlei, sondern auch seine Familie und seinen Lebensmittelpunkt. Und wie es so ist: Was man liebt, das hegt und pflegt man. In den vergangenen Jahren stieß Klaus Englert viele kulturelle Projekte in der Stadt an und setzte sich speziell für die örtliche Kunstszene ein. Im Jahr 1984 wurde er erstmals Stadtrat. Über 12 Jahre wirkte er als Kulturreferent und war von 1996 bis 2002 auch Zweiter Bürgermeister. Bis 2008 gehörte er dem Kreistag im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen an.

Im Rahmen seiner kommunalpolitischen Tätigkeit hatte er die Möglichkeit, das kulturelle Schaffen in der Stadt und die Erhaltung des historischen Stadtbilds maßgeblich zu fördern. So initiierte und begründete er das Deutsche Spargelmuseum, das 1985 eröffnet wurde, im Jahr 1991 als Europäisches Spargelmuseum weltweit Bekanntheit erlangte und 1993 als eine der besten Spezialsammlungen Europas von der Kommission des Europarates in Portugal vorgestellt wurde. Außerdem war Englert der Motor für die Schaffung des Museums im Pflegschloss, in dem zum Teil internationale Kunstausstellungen z. B. mit Werken von Picasso, Hundertwasser, Leonardo da Vinci oder Marc Chagall präsentiert wurden.

beitrag_englert1Doch nicht nur den Künstlern aus vergangenen Epochen, die Schrobenhausen und seine Umgebung geprägt und bekannt gemacht haben wie Franz von Lenbach und Johann Baptist Hofner, sondern in besonderem Maße den zeitgenössischen Kunstschaffenden aller Sparten fühlt er sich verbunden. Zu seinen künstlerischen Freunden zählt z. B. der Arzt und Maler Kurt Sauer, der Klaus Englerts Bildbände zum Thema Spargel „Asparagus – Vom Zauber des Spargels“ und (in Zusammenarbeit mit dem Spitzengastronomen Hans-Peter Wodarz) „Spargel – Geschichte, Anbau, Rezepte“ illustrierte. Dem autodidaktischen, künstlerischen Naturtalent und Freund widmete Klaus Englert den Bildband KUSA.

Mit Enthusiasmus treibt Klaus Englert derzeit sein neuestes Objekt voran, den Kunsthof. In diesem neu geschaffenen Innenhof, zwischen den beiden Gebäuden seiner Kanzlei und dem Nachbarhaus gelegen, mitten im Zentrum Schrobenhausens, entsteht eine Open-Air-Galerie, in der auch die kulinarischen Ansprüche der Besucher nicht zu kurz kommen sollen. Das gelingt durch die Einbindung des dort ansässigen Bistros LebensArt, das den Kunsthof mit bewirtschaftet. In einer gemütlichen Lounge unter freiem Himmel und neben dem Brunnen im Hof können bei schönem Wetter bis zu 40 Gäste geradezu mediterrane Atmosphäre mit Blick auf die umliegenden Bauten genießen. Und natürlich die Glaskunst betrachten, mit der die Schrobenhausenerin und aktuelle Kunstpreisträgerin der Stadt, Brigitte Schuster, die Wände und Fassaden geschmückt hat. Der gläserne Treppenturm des neu renovierten Nachbarhauses ist zur Lounge hin mit einem haushohen „Kastanienblätterwald“ in Glasmalerei und Sandstrahlgravur gestaltet, was dem Innenhof ganzjährig eine Art Begrünung verleiht und trotzdem eine gewisse Leichtigkeit ausstrahlt. Das Kastanienmotiv, das eine Anspielung auf den mit alten Kastanien verbrämten Stadtwall darstellt, wiederholt sich auf den Glastüren zum Hof und der Flügeltür zum KUSA-Raum, den Klaus Englert einigen Werken seines Freundes Kurt Sauer reserviert hat. Den Durchgang zum Hof schmückt beidseitig eine Bildergalerie mit Glasbild-Objekten. Auf der rechten Seite werden „alte Meister“ aus Schrobenhausen wie Lenbach, Hofner oder dem Jugendstil-Künstler Joseph Kaspar Sattler in Wort und Bild präsentiert. Linker Hand finden sich Schrobenhausener Kunstpreisträger wie die Malerin Irmgard Richter, Max Biller, Sig Fabig, Viktor Scheck, der Bildhauer und Musiker Nic Richter, gebürtig in Aresing, der Komponist und Theatermacher Anton Prestele oder der Regisseur und Schauspieler Hans Kriss. Über der Lounge hängen teilweise hinterleuchtete keramische Drucke auf Glas von Werken verschiedener Künstler der Stadt, was besonders bei Dunkelheit für eine wunderbare Stimmung sorgt.

Herzstück des Innenhofes ist der runde Stein- und Bronzebrunnen des Schrobenhausener Bildhauers Richard Gruber. Daneben schmückt die Eisenskulptur „Wirbel“ des renommierten Schweizer Eisen- und Stahlplastikers Silvio Mattioli die Hauswand. Vom 2011 verstorbenen Mattioli ist übrigens auch die fünf Meter lange, eiserne Monumentalplastik Kreuzweg (1999–2002) im Pflegschloss-Park. Auf der Tafel neben dem Kunstwerk ist zu lesen, wie dieses nach Schrobenhausen gelangte: „Durch die glückliche Fügung einer jahrzehntelangen Freundschaft mit dem damaligen Kulturreferenten Prof. Dr. Klaus Englert wurde das Kunstwerk durch den Rotary Club Schrobenhausen-Aichach zu einer Ausstellung im Frühjahr 2003 in den Pflegschloss-Park gebracht. Der Künstler war von dem historischen Standort so begeistert, dass er auf Grund seiner Verbindung zur Lenbachstadt bereit war, die Monumentalplastik für immer in Schrobenhausen zu belassen.“

Der Kunsthof – ein „Who is Who“ der örtlichen und überörtlichen Kunstszene, zusammengetragen von Klaus Englert, einem engagierten Urgestein der Stadt, der diese entscheidend geprägt hat und immer noch prägt. Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein perfekter Sommer, damit der neue Kunsthof zum gut besuchten Anziehungspunkt in einer liebenswerten Stadt avanciert und die Mühen des Machers belohnt werden.

Text: Hannelore Eberhardt-Arntzen
Photo: www.Atelier-Luca.de

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