SchlossMagazin

Magazin für gehobenen Lebensstil in Bayerisch-Schwaben und im Fünfseenland. Exklusive, informative und spannende Unterhaltung für Leser mit Anspruch.

Raffinierte Köstlichkeiten der einfachen Küche Westafrikas

Zuallererst verbindet man Afrika wohl mit Krieg, Armut und Hunger, was jedoch dem drittgrößten Kontinent bei weitem nicht gerecht wird. Afrika gilt gemeinhin als Wiege der Welt, vereint über 3.000 Bevölkerungsgruppen und 2.000 Sprachen und Dialekte.

Diese multikulturelle Gesellschaft birgt auf der einen Seite enormes Konfliktpotenzial, auf der anderen Seite einen unermesslichen Schatz. In diesen Zeiten von Flucht und Terror tut es vielleicht gut, sich bewusst auf die guten Seiten Afrikas zu besinnen, seien es die geheimnisvollen Traditionen, das symbolträchtige Weltverständnis oder auch nur die farbenfrohen Gewänder der einheimischen Frauen. Ebenso lohnenswert ist ein neugieriger Blick in die brodelnden Kochtöpfe einfacher afrikanischer Familien.

Es köchelt überall anders.

Aufgrund der besonderen Geschichte Afrikas, die durch Kolonialismus und Völkerwanderung geprägt ist, besteht die Küche aus Überlagerungen von alter und neuer Essensweise, von seit jeher vorhandenen Traditionen und neuen Einflüssen. Westafrika mit Ländern wie Benin, Gambia und Nigeria vereint in sich Einflüsse französischer und britischer Kolonialisten. Sein Weiteres tut ein Klima voller Gegensätze, das sich als nicht besonders menschenfreundlich erweist. Extreme Trockenheit hat riesige Wüsten und Savannen erschaffen – allen voran die Sahara, die mit unglaublichen neun Millionen Quadratkilometern die größte Trockenwüste der Welt ist und an der Westafrika Anteil hat. Winde haben weite Flächen verweht und den Großteil des Humus mitgenommen. Das andere Gesicht Westafrikas sind die tropischen Regenwälder der Oberguineaschwelle und die Feuchtsavannen im Sudan. Diese unbeständigen klimatischen und geologischen Gegebenheiten zwingen die Bauern zur Kleinwirtschaft.

Die westafrikanischen Staaten gehören zu den ärmsten der Welt – trotz eines gewissen Reichtums an Rohstoffen und natürlichen Ressourcen. Das „Fair-Trade“-Konzept soll für gerechte Lebens- und Arbeitsbedingungen armer Landwirte und Arbeiter sorgen. So werden zum Beispiel ghanaische Bauern und Arbeiter in der Kakao-Gewinnung an den Export-Gewinnen von Schokolade angemessen beteiligt. Produkte, die fair gehandelt werden, sind mit dem mittlerweile bekannten „Fair-Trade-Siegel“ deutlich gekennzeichnet.

Einfach, doch raffiniert

Zutaten für eine westafrikanische Mahlzeit kommen meist direkt vom Feld. Verbreitet sind Tomaten, Zwiebeln, Blattgemüse, Mais, Hirse, Reis und Maniok. Die stärkehaltige Yamsknolle ist das afrikanische Pendant zur Kartoffel und erfreut sich als „Fufu“ (ein zäher Brei), gekocht oder im Eintopf, großer Beliebtheit. Gekocht, gebraten oder frittiert ist die Kochbanane ein einzigartiger Hochgenuss, in roher Form – wie ihr Name schon verrät – ungenießbar. In besser gestellten Bevölkerungsschichten gehören Fleisch und Fisch in Küstenregionen zu einer ausgewogenen Mahlzeit. Die Afrikanerin sammelt auch gerne Wurzeln, Blätter und Kräuter. Bevor sie jedoch mit dem Abzupfen beginnt, bittet sie die Pflanze vorsorglich um Verzeihung und bedankt sich bei Mutter Erde für die Gaben. Eine schöne Geste!

Typische Gerichte basieren auf einfachen Zutaten, die jedoch umso raffinierter zubereitet und abgeschmeckt werden. Zum Binden von Soßen und Suppen werden kaum Mehl oder Maisstärke verwendet, sondern das, was die Natur unmittelbar hergibt: pürierte Egusi (Kerne einer Melonenart), Erdnüsse, grüne Kochbananen, Sojabohnen und geriebene Cocoyam (Wurzelgewächs). In ländlichen Haushalten zählen Mörser und Stößel oder Mahlstein zu den wichtigsten Küchenutensilien, zumal die Gewürze beim Kochen stets frisch hinzugefügt werden. Dadurch ist Kochen immer zeitintensiv, da das Vorbereiten der Kochzutaten – das Entkernen, das Schälen, das Reiben – viel aufwändiger ist als mit westlicher Küchenausstattung. In bäuerlichen Familien gibt es meist zwei größere Mahlzeiten, jeweils morgens und abends. In der Regel arbeiten Frauen tagsüber auf dem Feld und haben erst abends Zeit zum Kochen. Für unseren westlichen Geschmack gewöhnungsbedürftig, jedoch in Augen der Afrikaner absolute Leckerbissen sind Insekten – von Käfern über Raupen bis zu Heuschrecken.

Jeder Gast ist willkommen

Das klangvolle Sprichwort der Maprusi, eines westafrikanischen Volksstammes, besagt: „Allein essen ist wie allein sterben.“ Die Einheimischen sind ein sehr gastfreundliches Volk. Gerade in ursprünglichen Dorfgemeinschaften essen alle zusammen in geselliger Runde – mit viel Tanz, Gesang und Frohsinn. Die Hausfrau kocht immer so viel, dass sie auch spontanen Besuch jederzeit satt bekommt. Unangemeldete Gäste kommen niemals ungelegen, sollen sie doch den Gastgebern viel Glück für die Zukunft bringen. Essen ist in Afrika mit vielen Traditionen und Bräuchen verbunden. So verlangt es der Respekt vor dem Alter, dass der beste Teil der Mahlzeit dem Familien-Ältesten vorbehalten ist. Kommt Fleisch auf den Tisch, wird es vom Ältesten an alle verteilt.

In ländlichen Gegenden ist es noch üblich, dass die Familie zusammen aus einer großen Schüssel isst, sich das Familienoberhaupt jedoch mit dem ältesten Sohn zum Essen in einen separaten Raum zurückzieht. Afrika ist nach wie vor eine stark patriarchalisch geprägte Gesellschaft, in welcher der Vater und die Söhne besondere Privilegien genießen. So darf das beliebte Hirsebier aufgrund seiner berauschenden Wirkung nur von Männern genossen werden. Es wird viel gefeiert! Dann geht es immer bunt, laut und lustig zu. Bei einem Fest will es der afrikanische Brauch, dass der Stammesälteste vorher eine so genannte „Libation“ durchführt und vor dem Ausschank der Getränke etwas davon auf die Türschwelle spritzt. Für die verstorbenen Verwandten soll dies das Zeichen sein, böse Menschen fern zu halten und das bevorstehende Fest zu segnen. Wenn der Segen sicher ist, feiert das ganze Dorf gemeinsam!

Text Stefanie Grindinger


 

Afrika-Cover_webBuch-Tipp

Al Imfeld; Lucas Rosenblatt; Judith Meyer

Afrika – Fair gekocht und heiß gegessen

Die afrikanische Küche scheint für den westlichen Gaumen manchmal etwas ungewohnt und es ist spannend, sie zu entdecken. Durch die unterschiedlichen klimatischen Verhältnisse des großen Kontinents gibt es verschiedene Grundnahrungsmittel, die den Geschmack und die Rezepte der jeweiligen Küche bestimmen. Basierend auf den typischen Stärkeprodukten wie Maniok oder Fonio liegt der Reiz in den speziellen Zutaten wie Auberginen, Kochbananen, Mangos, Okras oder auch Erdnüssen und in den Gewürzen wie Chili, Muskat, Nelken, Pfeffer, Koriander oder Kreuzkümmel.

Preis 19,90 €
FONA Verlag
ISBN 978-3-03780-203-8

Zurück