SchlossMagazin

Magazin für gehobenen Lebensstil in Bayerisch-Schwaben und im Fünfseenland. Exklusive, informative und spannende Unterhaltung für Leser mit Anspruch.

Kunst zum Mitbestimmen

Termin bei einer international renommierten Künstlerin. Leda Luss Luyken (sprich „Lass Loiken“) öffnet die Tür zu ihrem Atelier und Wohnhaus in Kempfenhausen am Starnberger See. Der erste Eindruck: Jugendlich. Lebendig. Und sehr sympathisch, freundlich. Der zweite Eindruck: Irgendwie auch geheimnisvoll. Aus den Augen spricht Tiefe, wie von jemandem, der in seinem Leben viel erlebt hat. Sich Gedanken macht. Und sich nicht unterkriegen lassen will.

Innen im Haus gibt es keine Türen: Die Räume offen, der Blick geht durch die großen Glasfronten hinaus auf viel Grün. Leda Luss Luyken führt durch das Haus, das auf dem Grund der seit vielen Generationen hier ansässigen Familie von Kapherr gebaut wurde. Ihr Mann Jörg Luyken entstammte dieser Dynastie. Leda Valata, so ihr Mädchenname, wurde in Athen in eine wohlhabende Familie geboren. Ihre Eltern, ein Architekt und eine Malerin, förderten die Tochter wo sie konnten und schickten sie mit zwölf Jahren auf ein Schweizer Internat. „Schon auch ein Kulturschock“, erinnert sich die Künstlerin heute. Dort lernten wohlhabende Kinder aus der ganzen Welt Internationalität und Toleranz, aber auch eine strenge Erziehung kennen: „Die Schweizer Disziplin hilft mir, jeden Morgen ins Atelier zu gehen“, sagt sie lachend.

Im Haus hängen an den Wänden Kunstwerke der von ihr entwickelten ModulArt, für die sie in Ausstellungen im Münchener ̒ Haus der Kunst’ und anderen bedeutenden Museen gefeiert wurde. ModulArt, das heißt: Die Bilder bestehen aus einzelnen quadratischen Leinwänden – Module – und ergeben gemeinsam ein großes Ganzes. Die Module sind in einen eigens angefertigten Stahlrahmen gefügt. Das Besondere ist, dass man sie herausnehmen, drehen und wenden kann, wie man will, man kann das Bild also immer wieder neu komponieren. Auf einem Werk aus der Serie „Schöpfung“ ist ein Farbrausch in Gelb zu sehen, darin Schmetterlinge, Farbspritzer, eine Art Spirale, die sich aus der Bildmitte nach vorne schraubt, im Hintergrund ange- deutet eine Kopfsilhouette. Auf jedem der neun Bildelemente ist mittig ein roter Querbalken gemalt. „Das ist der Zeitstrahl. Wussten Sie, dass die Physik über zwölf verschiedene Zeitdimensionen identifiziert hat? Und das sind noch längst nicht alle, die es gibt“, sagt die Malerin mit leuchtenden Augen.

Die junge Leda wusste schon früh, dass sie Malerin werden wollte und bekam im Internat ein Atelier zur Verfügung gestellt. Unter der Auflage, dass sie am Ende des Schuljahrs eine Ausstellung mit ihren eigenen Bildern organisieren musste – was sie dann auch erfolgreich tat. Später sollte sie Kunst und Architektur in Zürich, New York und Manchester studieren.

Sie nimmt ein Modul der „Schöpfung“ aus dem Rahmen, dreht es um neunzig Grad und setzt es an gleicher Stelle wieder ein. „Sehen Sie, es sieht jetzt ganz anders aus.“ Wirklich spannend, wie sich ein fest komponiertes Bild im Nachhinein verändern kann. Die Feststellung, dass die Malerin dem Betrachter dadurch ziemlich viel Macht über ihr Werk in die Hand gebe, kommentiert sie: „Ich bin eben nicht herrschsüchtig. Ich bin nicht der tolle Künstler, und das Publikum muss sich vor mir beugen. Zu zweit kann man viel schneller zum Ziel kommen. Wenn der Betrachter das Bild besser arrangiert als ich, freue ich mich.“

Mit zarten 18 heiratete sie in New York einen vermögenden 50-jährigen Mann. „Meine Mutter flehte mich förmlich an, es nicht zu tun. Doch wir waren sehr ineinander verliebt. Aber es konnte auf Dauer nicht funktionieren.“ Die Ehe ging einige Jahre später zu Bruch. Und Jörg Luyken, den sie noch aus der Internatszeit kannte, hielt um ihre Hand an. Bald kam ihr gemeinsamer Sohn Roman auf die Welt. Der heute 26-Jährige arbeitet als Industriedesigner.

Auf der anderen Seite des Raumes ein Werk der Serie „Genesis“. Intensives Türkis, Blau und Grün, ein Mann, eine Frau – und eine Schlange. Ein starkes, beeindruckendes Bild. Nicht auszudenken, welche neuen visuellen Möglichkeiten sich ergeben, wenn man die einzelnen Module verändert. Doch Luss Luyken führt ins obere Stockwerk. Die Künstlerin zeigt Bilder ihrer „RiceArt“, für die sie Reispapiere aus Indien, China und Japan bemalt und aufeinander legt. Dadurch ergibt sich der Eindruck von Dreidimensionalität. Die Bilder strahlen Zartheit und Sanftheit aus, anders als die kräftigen Ölbilder.

„Wir waren sehr unterschiedlich. Ich diese stürmische, emotionale Südländerin, Jörg der zurückhaltende, blonde Deutsche.“ Wenn Leda im Atelier malte und Rammstein hörte, arbeitete Jörg nebenan bei Don Giovanni. Aber sie respektierten sich in ihrer Andersartigkeit und ergänzten sich gegenseitig. Kurz vor seinem Tod wurde Jörg Ledas Manager. „Das war die glücklichste Zeit in seinem Leben,“ erinnert sich Luss Luyken und streicht sich eine Träne aus den Augen.

Wir kommen ins Atelier. überraschend aufgeräumt sieht es hier aus für einen kreativen Hotspot, fein säuberlich geordnet in den Regalen unzählige Bilder, ein gewaltiges Oeuvre. Sechs von ihnen zieht Luss Luyken heraus, um sie nacheinander in den leeren Stahlrahmen an der Wand einrasten zu lassen. Zu sehen ist eine Frau, irgendwie lasziv, gleichzeitig elegant. Die Malerin lässt ihren Besucher die Module nach Belieben drehen. Er merkt, wie viel Spaß es macht, Teil dieser Kreativität zu werden. „Ich bin es nicht gewohnt, ohne Partner zu sein. Eigentlich war ich immer verheiratet.“ Seit ihr Mann vor zwei Jahren gestorben ist, ist sie durch eine schwere Zeit gegangen. Nur ihre Disziplin habe sie dazu gebracht, weiter zu malen. Und doch: Ihre Bilder in der aktuellen Ausstellung in Berg, die während der Trauerzeit entstanden sind, strahlen Fröhlichkeit aus. Sie wisse nicht, woher die kam. „Das ist dann wahrscheinlich das Göttliche, das uns am Leben hält.“

Informationen zu Leda Luss Luyken und zur Ateliertour auf www.lllarts.com

Noch bis 26. Juni 2015 sind einige Werke von Leda Luss Luyken in der HALEH GALLERY, Aufkirchnerstr. 4, 82335 Berg am Starnberger See zu sehen, vgl. www.haleh-gallery.com

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