SchlossMagazin

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Mückenfalle und Mehltruhe

Was andere weggeworfen hätten, haben sie gesammelt: In Hohenaltheim haben Hans und Hella Pfister ein privates Bauernmuseum geschaffen. Ein Besuch.

„Wissen Sie, was das ist?“, fragt Hans Pfister (75) und lacht verschmitzt, weil er genau weiß, dass ich’s nicht wissen kann als „Nachgeborene“. Noch nie im Leben habe ich so Dinge benutzt wie eine Spätzlemaschine zum Tabakschneiden. Einen Malzkaffee-Röster brauche ich genauso wenig wie eine gläserne „Mückenfalle“ oder einen Weinbergschneckenbräter. Und ich wüsste auch nicht, ob mein Mann mit einem „Rasiermesser-Schleifapparat“ umgehen könnte. Gegenstände wie diese sind zu entdecken im privaten Bauernmuseum von Hans und Hella Pfister in Hohenaltheim, im Donauries. Im oberen Stockwerk des Hofs, unterm Dach und in der Scheune finden sich Alltagsgegenstände und Gerätschaften, wie sie die Rieser Kleinbauern in früheren Jahren benutzt haben. Kleinbauern, wie es auch die Eheleute Pfister bis vor einigen Jahren waren.

 

Mueckenfalle2Seit rund 45 Jahren sammeln die Pfisters schon. Eines ihrer ersten Stücke war eine Mehltruhe, mit einer Klappe gut zu schließen, damit „keine Mäus‘ reinkommen“, erläutert Pfister. Seine Frau Hella hatte die Truhe, wie damals üblich, als Aussteuer in die Ehe mitgebracht. Als in den Jahren des Wirtschaftswunders das große Ausräumen und Wegwerfen begann, widersetzten sich Hans und Hella Pfister diesem Trend. Bald sprach sich herum, dass die beiden alles brauchen konnten, von der Butter- bis hin zur Pelzmaschine, vom Himmelbett zum frommen Nazarener-Bild, von der Strohpresse über den Kartoffel-Ernter bis hin zum Brotbackofen. Bevor diese Gegenstände jedoch die „Museumsreife“ erhielten, mussten die meisten wieder in Schuss gebracht werden. Jetzt sind es wertvolle Exponate, wohl geordnet in Themenbereiche und liebevoll in Szene gesetzt. Insbesondere in der Scheune wird ein Stück technische Entwicklungsgeschichte lebendig. Zu sehen ist hier, so Pfister, „all das, was von Pferd, Ochs oder Kuh gezogen oder betrieben wurde“. Das sind nahezu alle Feldgeräte, aber auch Spazierschlitten und Kutschen. Leicht erschauern lässt ein Blick auf eine schwarze Leichenkutsche.

 

Mueckenfalle6Wirklich lebendig werden all diese Dinge aber erst durch Hans Pfister selbst. Weil das, was er hier zeigt, Teil seines eigenen Leben ist. Er kann wunderbar erzählen. Etwa vom Wasserkübel mit der Nummer 17, der an einem Balken hängt. Jeder Haushalt habe so einen Kübel gehabt. Hat es irgendwo im Dorf gebrannt, musste jeder seinen Kübel nehmen, damit man eine Löschkette bilden konnte. Das gehäkelte weiße Häubchen auf dem Kissen und die Schlafmütze lassen erahnen, wie kalt es damals in den Schlafzimmern gewesen sein musste. Und verschmitzt merkt Hans Pfister an, dass in früheren Jahren bei einer Einst im Gebrauch, jetzt museumsreif: KinderschuheEhe „nicht schon wieder nach zwei Jahren Schluss sein durfte“, weil man zur Hochzeit eine kostbare Ofenplatte für den Kupferofen gestaltet hatte mit dem „Namen dessen, dem der g’hört“. Das private Museum wird künftig der Sohn Reinhard Pfister weiterführen.

 

Informationen:
Das Private Bauernmuseum Hans und Hella Pfister ist von März bis Oktober geöffnet an Samstagen und Sonntagen, 13:00 bis 16:00 Uhr. Bei telefonischer Anmeldung ist auch eine Führung möglich.
Hauptstraße 13, 86745 Hohenaltheim, Tel: 09088-551

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