SchlossMagazin

Magazin für gehobenen Lebensstil in Bayerisch-Schwaben und im Fünfseenland. Exklusive, informative und spannende Unterhaltung für Leser mit Anspruch.

Nikolaus Graf von Sandizell – Der moderne Schatzsucher

Mit 36 Jahren hängte Nikolaus Graf von und zu Sandizell seinen Job als hoch bezahlter Top-Manager an den Nagel und wurde zum modernen Schatzsucher.

Beinahe schon ein Phänomen: Ein Deutscher macht sich daran, wertvolles Inventar aus historischen Schiffwracks vom Meeresgrund zu bergen und als moderner Schatzsucher die Welt nachhaltig zu beeindrucken. Die Rede ist von Nikolaus Graf von und zu Sandizell.
Bekannt ist sein Name vom prächtigen Wasserschloss in Sandizell bei Schrobenhausen, das seit über 1.000 Jahren im Familienbesitz ist. Bewohnt wird es von seinem Bruder Tassilo, während Nikolas Graf von Sandizell mit seiner Familie in Portugal lebt. Zufällig hatten ihm Freunde einst während seines Tauchurlaubs in der Karibik davon berichtetet, dass Portugal ein neues Gesetz zur Bergung historischer Schiffwracks erlassen hatte. Sie fragten ihn, ob er nicht interessiert wäre, ein Bergungsunternehmen in Portugal zu gründen.
So kam es, dass er 1995 in Portugal das meeresarchäologische Unternehmen Arqueonautas Worldwide S.A. ins Leben rief mit dem Ziel, das weltmaritime Kulturerbe zu schützen. Gemeinsam mit seinem Team aus Historikern, Marinearchäologen und Restauratoren spürt er seitdem immer wieder neue Schiffwracks in internationalen Gewässern auf. Er ist stets auf der Suche nach neuen Pfründen zur Bergung antiker Gold- und Silbermünzen, alter Kanonen oder Navigationsinstrumente, nach Waffen, Schmuck, Edelsteinen oder historischem Porzellan. Dazu gehört auch immer die Suche nach Sponsoren und Geldgebern, da die Expeditionen enorm viel Geld verschlingen.

Nikolaus von Sandizell ist stets auf der Suche nach Schiffwracks, um maritines Kulturgut zu schützen.

Nikolaus von Sandizell ist stets auf der Suche nach Schiffwracks, um maritines Kulturgut zu schützen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Interview mit Nikolaus Graf von Sandizell „Maritimes Kulturgut schützen“

Sandizell3

Faszinierende Unterwasserwelt: Im Meer lagern Silbermünzen, Porzellan und Gold.

Schlossallee: Wann haben Sie Ihr erstes Schiffswrack entdeckt?
Nikolaus von Sandizell: 1998 haben wir bei den Kapverden die englische ‚Princess Louisa’ von 1743 gefunden, nachdem wir verzweifelt danach gesucht hatten. Seitdem konnten wir unsere Bergungsgebiete weiter ausweiten.

Was war bisher Ihr größter Fund?
Nikolaus von Sandizell: Im Jahr 2003 vor der Küste von Mozambique. Dort entdeckten wir die ‚San José’, das 1622 gesunkene Flaggschiff des Portugiesen Francisco da Gama und fanden 24.000 Silbermünzen im Wert von rund drei Millionen Euro. Neben 100.000 Münzen und 10.000 Artefakten, die wir bis heute in 15 historischen Wracks gefunden haben, entdeckten unsere Taucher auch die ‚Espadarte’ von 1558, bei der sie eine bedeutende Ladung von Porzellan aus der Ming Dynastie aus der Mitte des 16. Jahrhunderts und rund 12 Kilo Gold Nuggets sowie Goldscheiben bargen. Aber auch Sandizells Schiff auf der Suche nach neuen, interessanten Funden.ein einmaliges, versilbertes Astrolabium, das bei einer Auktion mehr als 200.000 Euro erzielte.

Wie teuer ist so eine Expedition?
Nikolaus von Sandizell (lacht): Sehr teuer, wenn Sie bedenken, dass die Bergung eines Schiffwracks rund 1 Million Euro pro Monat kosten kann und die Bergung im Schnitt rund sechs Monate dauert.

Was unterscheidet einen modernen Schatzsucher von einem Schatzsucher von früher?
Nikolaus von Sandizell: Eigentlich verstehe ich mich nicht so sehr als Schatzsucher, sondern vielmehr als Entdecker und Wiederentdecker. Der größte Unterschied liegt wohl darin, dass wir auf die neueste Technologie zurückgreifen können. Unsere wichtigste Aufgabe sehen wir jedoch darin, kulturhistorische Schätze zurück zu bringen. Wenn wir Gold finden (an einem Nachmittag hatten wir einmal sechs Kilo Gold geborgen), macht mich das nicht heiß.

 

Sandizell5Wenn Sie wertvolle Funde geborgen haben – was passiert damit?
Nikolaus von Sandizell: Mit den jeweiligen Regierungen haben wir ein Abkommen erarbeitet. Das heißt, dass wir alles, was wir bergen, mit dem Staat teilen, in dessen Territorialgewässern wir das Wrack gefunden haben. Alle Objekte, die als nationales Kulturgut klassifiziert werden, gehen an nationale Museen. Unseren Teil verkaufen wir, um weitere Expeditionen damit zu finanzieren. So machen wir es möglich, weltmaritimes Kulturgut effektiv zu schützen. Wenn man die Schiffe einfach unter Wasser liegen lässt, riskiert man, dass sie von örtlichen Fischern oder Schatztauchern ausgeplündert und zerstört werden. Unsere vordringlichste Aufgabe sehen wir darin, maritimes Kulturgut dadurch zu schützen, indem wir es bergen, bevor es zerstört wird.

Was passiert mit den Schiffen nach der Bergung der Ladung?
Nikolaus von Sandizell: Ein Schiff selbst zu bergen, ist ungeheuer teuer. Wir dokumentieren daher das Schiff, halten die Schiffsstruktur fotografisch fest oder zeichnen es von Hand.

Wie viele Schiffe haben Sie bereits geborgen?
Nikolaus von Sandizell: Was wir wissen ist, dass bis heute rund 200.000 werthaltige Wracks auf dem Grund der Weltmeere liegen. Wir haben bisher 15 Wracks geborgen und 300 gefunden.

Zurück