SchlossMagazin

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„Das Publikum soll tanzen!“

Pete York gilt als einer der besten Drummer weltweit und steht seit über 50 Jahren mit den bekanntesten Musikern seiner Zeit auf der Bühne. Abgehoben ist er trotzdem nicht.

Text: Konstantin Fritz

Pete York PY-2_webGeboren und aufgewachsen in Middlesbrough, England, trommelte Pete York schon als kleiner Junge auf den Kochtöpfen seiner Mutter. „Die armen Nachbarn!“, erinnert er sich heute. Später spielte er Schlagzeug im Schülerorchester. Im Großbritannien der Nachkriegszeit wurde viel militärische Marschmusik gespielt, und da war einer, der Trommeln liebte, genau richtig. Pete hatte den Rhythmus in sich, ein Ausnahmetalent. Vielleicht brauchte er auch deswegen nie einen Schlagzeug-Lehrer, sondern schaute sich einfach bei anderen Drummern ab, wie sie spielten. „Das war gut, weil ich so alles selbst herausfinden musste – und durfte“, sagt er. Besonders im Jazz sei ein individueller Stil unerlässlich, aber bei den jungen Musikern von heute nicht mehr selbstverständlich: „Jetzt klingen viele Studenten wie ihre Professoren, weil sie sich durch Perfektion auszeichnen wollen. Aber Musik, besonders Jazz, erfordert Persönlichkeit. Dazu gehört auch, dass man Fehler machen und experimentieren darf. Dave Brubeck sagte einmal, ein Jazzsolo sei wie ein Seiltanz. Wenn ein Part schlecht läuft, dann versucht man, ihn wieder auszugleichen.“

Schon früh war für Pete klar, dass die Leidenschaft auch sein Beruf sein sollte. Sehr zum Missfallen des Vaters, denn der fand, dass es zu riskant sei, Profimusiker zu werden. „Und damit hatte er ja auch recht,“ erinnert sich Pete heute. Doch kurz nach der Schule begann das Märchen, von dem so viele Musiker träumen. Der junge Pete zog nach Birmingham und schloss sich in den frühen 1960er-Jahren der damals noch unbekannten Spencer Davis Group an. Die Band trat zunächst in Clubs auf. Doch es dauerte nicht lange, bis sie mit dem auch heute noch legendären „Keep on Running“ einen weltweiten Nummer-1-Hit hinlegte. Kurz darauf folgte „Gimme Some Lovin’“, ebenfalls der meistverkaufte Song seiner Zeit. Drei weitere Hits führten in den Folgejahren die Paraden an, die Band spielte vier Goldene Schallplatten ein – ein gigantischer Erfolg. Pete tourte einige Jahre lang als festes Bandmitglied um die Welt.

Später dann ging er eigene Wege, gründete ein Duo mit Eddie Hardin. Viele der besten Musiker seiner Generation fragten den Drummer an, von dem sie schon so viel gehört hatten: Eric Clapton, Jon Lord (Deep Purple), Chris Barber, Dr. John, Long John Baldry, Klaus Doldinger, Konstantin Wecker, Helge Schneider, um nur einige zu nennen. Seinen 50. Geburtstag feierte Pete York mit einem Open-Air-Konzert vor 8.000 Zuschauern in der Schweiz. In der ehrwürdigen Londoner Royal Albert Hall gab es von den 5.000 Zuschauern Standing Ovations für Petes Drumsolo, als die Spencer Davis Group 2002 dort noch einmal auftrat. Derzeit existieren mehr als 200 Alben, die von oder mit Pete veröffentlicht wurden. Sogar seine eigene erfolgreiche TV-Show „Superdrumming“ hatte er, zu der er die besten Schlagzeuger der Welt ins Erste Deutsche Fernsehen einlud.

Spätestens jetzt könnte man denken, dass dieser Mann doch komplett abgehoben sein müsste. So einer müsste doch Jahre voller Partys, Alkohol, Drogen, Jet-Set hinter sich haben und heute völlig verbraucht aussehen. Oder zumindest als Rock-Veteran mit zerzaustem Haar und verblichenen Tattoos nur noch in den alten Zeiten leben. Nicht so Pete York. Mit seinen klaren, freundlichen Augen, seiner herzlichen und nahbaren Art und seinem gepflegten Erscheinungsbild – blaues Oberhemd, graue Stoffhose, braune Lederslipper – könnte er glatt als jemand durchgehen, der seine Freizeit am liebsten auf dem Golfplatz verbringt. Sogar die blaue Lederjacke wirkt an ihm eher elegant als rockig. Verheiratet ist er seit knapp 40 Jahren mit der gleichen Frau, auch das eine Seltenheit in der Musikszene. Mit Mecky lebt er seit Mitte der 1980er Jahre in Bayern, viele Jahre am Starnberger See und jetzt am Tegernsee. „Wo könnte es schöner sein als hier?“, fragt er lachend. Die gemeinsame Tochter Stephanie macht in München Karriere in der Werbebranche. Aber jetzt mal Hand aufs Herz: Sind bei so einem Leben, bei so einer Karriere, Drogen nicht vorgezeichnet?

Pete York SDG-2_web„Ich hätte überall Drogen haben können, bei den Partys nach den Konzerten wurde viel gekokst. Heroin war auch oft im Spiel. Aber ich wollte nicht.“ Sein Schutz vor Drogen sei einfach gewesen. Als junger Mann habe er Biographien über Jazzmusiker gelesen. Einer schrieb über seine Abhängigkeit von Opium und wie er frei werden wollte. Er sperrte sich eine Woche in ein Zimmer ein und erlebte den schlimmsten Kampf seines Lebens. Danach war er clean, aber total am Ende. So wollte Pete nie werden. Also lehnte er alle Drogen ab, was nicht immer einfach war. Denn einige Musiker, die nach den Gigs feierten und Drogen nahmen, fühlten sich nicht wohl mit jemandem, der nicht high war wie sie.

Heute kann Pete York auf eine über 50-jährige Karriere zurückblicken. Pro Tag übt er auch heute noch mindestens zwei Stunden. „It never stops. Es ist ein lebenslanges Lernen“, sagt der 73-Jährige. Er spielt immer nach Gehör, setzt sich einen Kopfhörer auf, legt eine CD mit Bossa Nova, Balkanmusik oder Strawinsky ein und improvisiert. Und er hat noch einiges vor: „Heute wird Jazz ein bisschen zu ernst genommen. Er sollte aber eigentlich richtig Spaß machen. Diese Musik ist so kreativ, spontan und persönlich, kein Konzert ist gleich. Ich möchte das Publikum unterhalten und zum Jubeln bringen, so wie es die großen Jazzbands der 1930er und 1940er Jahre taten. Ich fände es genial, wenn sich das Publikum beim Konzert von den Stühlen losreißt und zum Tanzen anfängt!“ Am 16. Oktober gibt es in Starnberg die Gelegenheit dafür.


Freitag, 16. Oktober, 20:00 Uhr, Schlossberghalle Starnberg (Vogelanger 2):
Pete York, Christoph Steinbach, Stephan Holstein – Drum Boogie feat. The Kittens & Nina Michelle
Die siebenköpfige Formation ist eine Premiere.

Tickets und Information: www.all-that-jazz-starnberg.de

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