SchlossMagazin

Magazin für gehobenen Lebensstil in Bayerisch-Schwaben und im Fünfseenland. Exklusive, informative und spannende Unterhaltung für Leser mit Anspruch.

Reinhard Osiander – Aus „Bobinger Holz“ geschnitzt

„Mama, darf ich da mal draufsitzen?“ Ein hölzerner Löwe ist’s, der das kleine Mädchen auf der „Kunst im Gut“ in Scheyern magisch anzieht. Die Skulptur hat Bildhauer Reinhard Osiander geschaffen, ein gebürtiger Bobinger. Zu seinen Lieblingsmotiven gehören Tiere, die so richtig lebensecht und knuffig wirken, obwohl sie eigentlich relativ grobe Oberflächen haben. Diese Gradwanderung hinzukriegen ist eine Kunstfertigkeit, die alle Werke Osianders auszeichnet, was nicht nur bei Kindern großen Anklang findet.

 

Text: Hannelore Eberhardt-Arntzen

Bild_Ossi_klEin wenig kamerascheu ist er schon, der Künstler, dessen Wurzeln in Bobingen sprießen, ein Ort, an dem noch immer seine Mutter lebt und in den er immer wieder gerne zurückkehrt – nicht zuletzt, um im heimischen Schuppen seine Skulpturen zwischenzulagern. Dafür sprechen seine Werke umso mehr ihre eigene Sprache. „Dieser ästhetischen Herausforderung, eben die ganz spezifischen Materialeigenschaften seines bevorzugten Rohstoffs Holz zum Sprechen zu bringen, stellt sich Reinhard Osiander Tag für Tag“, heißt es in der in diesem Jahr erschienenen Biografie „Schneeferner“. Heute lebt und arbeitet der Künstler in Bremen, dem Ort, an den es ihn Ende der 90er Jahre zum „Studium der freien Kunst“ mit Spezialgebiet Bildhauerei gezogen hatte. Mit seinen Studienkollegen machte er regelmäßig Exkursionen in einen Salzburger Steinbruch, um aus dem sog. Untersberger Marmor“ erste Skulpturen herauszuarbeiten. Doch bald schon konzentrierte er sich auf das Rohmaterial Holz, seiner charakteristischen Eigenschaften wegen. Jede Holzart hat ihre Eigenheiten, von der Maserung und Faserung über die Härte bis zur natürlichen Farbe und lässt daher die unterschiedlichsten Interpretationen zu. Reinhard Osiander bearbeitet das Holz in verschiedenen Techniken. Mit der Motorsäge werden die groben Umrisse herausgearbeitet. Details bildet er mittels Axt, Beitel oder Schnitzmesser ab, verzichtet aber auf feine geschliffene Oberflächen. Oft bemalt er die Figuren mit selbst angerührten Pigmenten in mehreren Schichten, um die Farben anschließend abzuschleifen, so dass der Grundton des Holzes wieder sichtbar wird. Bildhauerei wird mit Malerei kombiniert. Auf diese Weise entsteht ein „typischer Osiander“, der auch für Laien einen hohen Wiedererkennungswert besitzt. Osianders Portfolio umfasst dreidimensionale Plastiken von Menschen und Tieren, mal in (Über-)lebensgröße und mal als Miniatur, Installationen aus mehreren Figuren, Reliefs und Wand-Tableaus, bei denen er additiv arbeitet, das heißt in einer Art Intarsienarbeit verschiedene Hölzer oder auch andere Materialien zu einem Motiv kombiniert.

 

Von der Idee zum Holz – vom Holz zur Idee
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Vor nicht allzu langer Zeit hatte ihm das Bremer Gartenbauamt eine komplette Linde vor die Ateliertür gestellt. Wenn aus Sicherheitsgründen einmal städtische Bäume gefällt werden müssen, dann wissen die örtlichen Holzfäller schon, wo dem edlen Holz neues Leben eingehaucht wird. Lindenholz bearbeitet Reinhard Osiander am liebsten, denn es ist weich und hart zugleich und besonders kurzfaserig, was es fürs Schnitzen prädestiniert. Außerdem besitzt es eine neutrale Farbe. Aus Linde entstehen z. B. die kleinen Tierskulpturen. Wie Osiander auf seine Motive kommt? Manchmal hat er eine Idee und sucht das Holz, den Stamm oder Ast danach aus, sagt er, und manchmal sieht er ein Stück Holz und entdeckt darin ein Motiv, das es gilt, aus dem Drumherum zu befreien. All dies gelingt ihm so perfekt, dass er schon mehrere Preise einheimsen konnte, zuletzt den Kunstpreis „ars loci 2013“ der Stadt Nienburg. Mit seinen Ausstellungen ist er nicht nur im Norden Deutschlands vertreten, sondern oft auch in heimischen Regionen. Hier nutzt er dann die Zeit, um wieder einmal die Heimat zu genießen und auf den Spuren seiner Jugend zu wandeln.

 

 

Kunst und Küche

Osiander_10Was kaum einer weiß: Reinhard Osiander ist Hobbykoch. Wenn er einmal nicht in seinem Atelier arbeitet, dann steht er hinterm Herd – und zwar manchmal immer noch in der Küche des gleichen Restaurants in Bremen, in dem er vor 28 Jahren mit seinen Kochkünsten sein Studium finanzierte. Gelernt hat er das Kochen nicht, aber als Autodidakt mit einem gewissen Talent kocht er wohl doch nach dem Gusto der Gäste. Kunst und Küche passt gut zusammen, meint er – setzen beide Disziplinen doch Geschmack voraus.

Bewundern und erstehen kann man Osianders Werke nicht nur in Galerien und Kunsthandlungen, sondern auch auf Künstlermärkten, in unserer Region z. B. im Frühjahr auf Gut Mergenthau oder zweimal jährlich auf der „Kunst im Gut“ in Scheyern. Auch über seine Website sind seine Arbeiten zu haben. Stets handelt es sich um Unikate – auch wenn es bei den Kleinplastiken z. B. Tier-„Familien“ gibt, hat jedes Tier doch seine eigenen Züge. Anhand von Fotos kann jeder Internet-Kunde bei Reinhard Osiander vorab „sein“ neues Haustier individuell auswählen.

 

 

osiander-8724www.reinhardosiander.de

 

Fotos: Reinhard Osiander

 

 

 

 

 

 

 

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