SchlossMagazin

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Tanja Xeller – Faltkunst, wie sie im Buche steht

Ihren Lieblingsbüchern krümmt sie keine Seite. Aus allen anderen ausgelesenen Romanen faltet Tanja Xeller Kunstwerke für Romantiker.

 

Xeller-Anton-Buchfalten-IMG_3675Sie bezeichnet sich selbst als Bücherwurm. Erst verschlingt sie einen Roman, dann schlängelt sie sich gedanklich von Seite zu Seite und überlegt, wie sie dreidimensionale Formen und Buchstaben hineinfalten kann. Tanja Xeller fertigt Buch-Skulpturen an. Ausgelesene Bücher, die in Regalen vor sich hin stauben, verwandelt sie in Kunstobjekte. „Ich hauche ihnen ein neues Leben ein“, erklärt die 47-Jährige. In den vielen geöffneten Büchern, die auf den Regalen in ihrer Wohnung in Olching stehen, entdeckt der Betrachter neben Papier-Herzen auch die englischen Worte „Will“, „you“, „marry“ und „me“ oder das Wort „Zeit“. Davon investiert Xeller sehr viel. Denn es steckt viel Arbeit in den Papier-Skulpturen; mindestens zehn Stunden faltet sie an einem Buch. Angefangen hatte alles mit Origami-Tierchen aus Papier. Danach wagte sich Xeller an eine komplizierte japanische Papierrose. Rund 100 Faltungen enthält diese dreidimensionale Papierblüte, für die sie Kahari-Papier aus Nepal benutzt. „Mittlerweile bin ich extrem schnell“. Genau sieben Minuten brauche sie für eine Rose, sagt sie. Die Anleitung hierzu gab es über ein youtube-Video. Vor drei Jahren stieß die die Perfektionistin schließlich auf Fotos von amerikanischen Buch-Skulpturen im Internet. „Da war es um mich geschehen!“ Sie stürzte sich in die Arbeit mit den „geadelten Eselsohren“, wie Xeller sie nennt. „Am Anfang hatte ich ein halbes Wort fertig, aber das Buch war schon zu Ende.“ Ein knappes Jahr brauchte sie, um die Papierkunst zu lernen. Das Falten erfordert viel Konzentration; Musik oder Fernsehen nebenbei sind Tabu. Erst nach 80 Büchern war sie zufrieden. Und konnte endlich ihren Lieblingsspruch falten: „Carpe Diem“.

Xeller_HerzimHerz_BuchfaltkunstFür Vorarbeit und Planung braucht sie genauso viel Zeit wie für das Einschlagen der Seiten. „Die Proportionen müssen genau stimmen“, erklärt die Falt-Virtuosin. Nach vielem Ausprobieren hat sie herausgefunden, dass bei 86 Seiten pro Buchstabe seine Form am besten zu sehen ist. „Die Bücher sollten mindestens 400 Seiten dick und gebunden sein. Paperbacks funktionieren nicht.“ Jede einzelne Seite muss perfekt geknickt werden. „Wenn ich mich an der Schnittkante verfalte, dann sieht man es sofort. Und die Buchstaben sind nicht richtig zu erkennen.“ Warum steckt jemand, der das Lesen liebt, so viel Zeit ins Falten? „Es entspannt mich nach einem anstrengenden Arbeitstag und es macht mich glücklich, wenn ich wieder ein Buch fertig habe.“ Ihr normaler Job hat nicht viel mit Kunst zu tun. Die gelernte Bürokauffrau macht den Vertrieb für Luxus-Uhren. Das bedeutet viele E-Mails zu schreiben. „Das ist sehr stressig, denn es herrscht Umsatzdruck.“ Den Weg zur Arbeit in der S-Bahn nutzt sie zum Lesen. Obwohl sie die Haptik des Papieres liebt, greift sie dann auch zum elektronischen Buch. „Damit ich die dicken Wälzer nicht zur Arbeit schleppen muss.“

Zum Falten verwendet sie gut erhaltene Bücher von sich und von Freunden. Diverse Thriller, Krimis und Bildbände hat Xeller schon verwertet. Manchmal geht sie auch auf Büchermärkte und kauft Faltbücher, „rein nach Optik und tollem Titel.“ Ihren Lieblingsbüchern wie „Drachenläufer“ und „Tausend strahlende Sonnen“ des afghanisch-amerikanischen Schriftstellers Khaled Hosseini oder „Tintentod“ von Cornelia Funke würde sie dagegen nie eine Seite krümmen. In den letzten Jahren hat sie bereits rund hundert ihrer Kunstwerke verkauft. Aufträge kamen schon aus Israel und Italien – „für ein besonders dickes Herz“. Den Kunden sei es wichtig, dass es nicht irgendein Buch ist, sondern ein spezieller Titel, der ihnen etwas bedeutet, erklärt sie. Und sie erlebe auch Kurioses. Ein Kunde wollte die Zahl 80 zum runden Geburtstag für einen Verwandten gefaltet haben. Dafür ausgewählt habe er das Buch „Willkommen im Greisenpalast“. „Das fand ich geschmacklos.“ Viele Männer bestellen die Bücher als Liebeserklärung an ihre Frauen. Ein Kunde wollte die Worte „Number One“ haben, ein anderer ein „Danke“ zum Hochzeitstag. Besonders beliebt: „Der Kleine Prinz“ – mit dem Spruch „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“ Auch ihrem Mann gefallen die Kunstwerke. „Er motiviert mich“, sagt die Künstlerin lachend, die in Zell an der Mosel geboren wurde. „Foild halt mal!“ sagt er dann auf Bayerisch, wenn es wieder einen Auftrag gibt. Aktuell plant Xeller ein größeres Objekt: Sie will aus vier Büchern die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft in jeweils verschiedenen Farben falten.

Die Werke von Tanja Xeller sind am 16. und 17. Januar 2016 im Rahmen der Hochzeitsmesse in München zu sehen. Die Bücher sind außerdem auf Kunstmärkten und Ausstellungen in der Region zu finden.

Weitere Infos und Bücherbestellungen unter www.buchfaltkunst.com

 

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Text: Miriam Anton
Fotos: Anton, privat

 

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