SchlossMagazin

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Theaterstadt Augsburg: Zeitlos schön

Das Theater lebt. Das Theater bewegt die Menschen. Auch in Zukunft. Weil es nahe an den Themen der Zeit ist. In Augsburg blüht eine lebendige Theaterszene.

theater-0007„Habt Ihr das neue Stück gesehen? Und – wie war‘s?“ Theater in der Stadt sorgt für Gesprächsstoff, es eignet sich bestens für den Smalltalk und verbindet. Wie in diesem Sommer das Musical „Hair“ auf der Augsburger Freilichtbühne am Roten Tor. Man musste es gesehen haben. „Mit 41.806 Besuchern ein Volltreffer! Wir freuen uns alle!“, sagt Philipp Peters, Öffentlichkeitsreferent des Theaters Augsburg, über die 21 nahezu ausverkauften Vorstellungen. „Hair“ ist ein Beispiel dafür, dass Menschen sich gerne den Kunstgenuss Theater gönnen. Theater hat Zukunft!

In Augsburg herrscht eine vielfältige Theaterszene. Bunt und lebendig wie die Stadt, mit den unterschiedlichsten Akteuren und Ansätzen. Seit jeher greift das Theater die Themen der jeweiligen Zeit und Gesell-schaft und die großen Fragen der Menschen auf und setzt sich damit künstlerisch auseinander. Dies immer auch mit dem Blick nach vorne.

Vierspartenhaus als wichtigestes Standbein

Als eine der wichtigsten Kultureinrichtungen der Stadt Augsburg gilt das Theater Augsburg mit seinen vier Sparten: Ballett, Schauspiel, Musiktheater und Konzert. In der aktuellen Spielzeit 2012/13 hat es 238.010 Besucher angezogen. Spitzenreiter waren u. a. „Don Giovanni“ und „La Bohème“, „Minna von Barnhelm“, „Arsen und Spitzenhäubchen“, „Tschick“ und „Die neuen Leiden des jungen W“. Bestens angekommen sind auch das Ballett „Heroes“ und die acht Sinfoniekonzerte.

theater-0006BrechtbühneDiese Bilanz zeigt: Theater ist zukunftsfähig, wenn es breite Zuschauerschichten anspricht. „Es muss auch jüngere Leute erreichen“, ist Peters überzeugt. Dies sei insbesondere durch die neue „brechtbühne“ gelungen, die sehr gut vom Publikum angenommen wurde. Peters: „Sie ist schon fast unsere Lieblingsbühne geworden.“ Auch eine im Frühjahr öffentlich geführte Debatte, bei der sich viele beteiligt haben, habe gezeigt, dass das Theater künftig noch mehr an seiner interkulturellen Bedeutung gemessen werden wird.

Vernetzte Künste

Das Theater der Zukunft bleibt nicht in sich geschlossen. Es öffnet Räume, geht hinein in die Gesellschaft und nimmt andere künstlerische Darstellungsformen ergänzend mit auf. Es vernetzt sich mit an- deren Theater- und Kunstschaffenden der Stadt. Ein Beispiel dafür ist das neue Stück „Intolleranza 1960“, das im Herbest 2013 im Theater Augsburg Premiere hatte. In dieser „Szenischen Aktion“ bezieht der Künstler Luigi Nono Stellung zu den brennenden politischen Fragen seiner Zeit. Aus Material des Tagesgeschehens stellt er die Biografie eines Menschen der Gegenwart zusammen. In der formalen Strenge seiner Musik und der schwebenden Schönheit seiner Gesänge formuliert Nono eine Utopie, die Sinn darin entdeckt, Widerstand zu leisten, auch wenn man dabei scheitert. Das Besondere an „Intolleranza 1960“ ist, dass es von einem Rahmenprogramm begleitet wird, das andere freie Künstler bzw. Theaterleute aus Augsburg und München im Umfeld des Theaters (etwa im Foyer) und im öffentlichen Raum (Altes Straßenbahndepot) gestalten. „Theater muss immer wieder auch in die Stadt hinein gehen!“, ist Philipp Peters überzeugt.

theater-0009TheaterDas Theater der Zukunft bleibt zeitlos schön. Es bringt Bezüge zum täglichen Leben, es regt zum Nachdenken an – und es unterhält. Deshalb werden am Theater Augsburg immer auch gerne Klassiker gespielt. In der neuen Spielzeit werden u. a. Guiseppe Verdis Rigoletto, Richard Wagners Lohengrin oder beim Schauspiel William Shakespeares „Hamlet, Prinz von Dänemark“ zu sehen sein. Ein breites Publikum ist gewiss zu erreichen mit „Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben“. Spannend für Ballettfreunde wird „Das Bildnis des Dorian Gray“, choreografiert von Michael Pink.

Was ist der Königsweg?

Soll das Theater hinaus, an die Orte der Stadt gehen – oder sollen die Themen der Stadt und der Menschen, die hier leben, zum Theater kommen? Diese Frage hat sich auch Dr. Sebastian Seidel gestellt, Dramatiker und Theaterleiter des „Sensemble“. Diese Bühne für zeitgenössisches Theater hat seit dem Jahr 2000 eine eigene Spielstätte in der Augsburger „Kulturfabrik“. Fünf Premieren wird es in der kommenden Spielzeit wieder auf dem Programm haben, dazu kommen die Stücke aus dem Repertoire – etwa der Dauerbrenner „Der Messias“ vor Weihnachten. „Für manche fängt Weihnachten erst damit an“, meint Seidel schmunzelnd.

theater-0004Sensemble: „Offene Zweierbeziehung“Für zukunftsweisend hält der Theaterleiter den Ansatz, nicht unbedingt mehr – wie in früheren Jahren – hinaus in die Stadt zu gehen („Wir waren in Kirchen, in Parkhäusern…“), sondern die Leute wieder in den Raum des Theaters hinein zu bringen. Es bleibt dabei nicht nur bei der Aufführung des Stücks. Was hier, meist mit einem gewissen Humor und Ironie, auf die Bühne gebracht wird, wird danach im Café des Theaters vertieft, miteinander diskutiert. „Der Weg der Zukunft sind Kooperationen“, ist Sebastian Seidel überzeugt. So kooperiert er etwa für Lesungen oder Podiumsdiskussionen mit der Uni, mit dem Evangelischen Forum Annahof oder anderen Akteuren der Stadt. In den nächsten Monaten steht u. a. „Böser Bruder“ auf dem Spielplan, eine Uraufführung aus der Feder von Sebastian Seidel, in der es um die Welternährungssituation geht.

Wie sieht das Theater der Zukunft aus?

theater-0000FigurentheaterFrage auch an Stephan Eckl, Leiter des Theaterhauses Eukitea in Diedorf. „Es muss menschennah sein“, ist Stephan Eckl überzeugt, „von seinem Ursprung her darf es nicht nur die Gebildeten ansprechen“. Eukitea, inzwischen auch mit einer Dependance in Berlin, hat in der Region Augsburg einen festen Platz als Kinder- und Jugendtheater, das aber genauso Erwachsene anspricht. Seit 20 Jahren bietet es mobiles Präventionstheater für Schüler an – mit aktuellen Themen wie „Gewalt unter Kindern“ oder „Mobbing“. Wichtig dabei, so Eckl, dass diese Stücke nicht nur gespielt, sondern auch von Fachkräften – etwa aus dem Jugendamt – professionell begleitet werden.

Eine zweite Säule von Eukitea ist das vor sieben Jahren errichtete Theaterhaus in Diedorf, wo verschiedene Arten von Kunst und Theater dargeboten werden. Hier finden die Premieren statt, aber auch so manches Konzert. Ein Herzstück der Arbeit bei Eukitea ist auch das jährliche Open-Air-Sommertheater auf der Waldbühne Anhausen, zuletzt „Das goldene Herz des Drachens“. Und als das „große Steckenpferd“ nennt Stephan Eckl das Internationale Theaterprojekt mit gemeinsamen Workshops. „Theater muss verankert sein in der Gesellschaft“, ist Eckl überzeugt, „es muss die Themen aufgreifen, die die Menschen brauchen.“ Theater müsse den Menschen bewegen, ihn ansprechen. „Es braucht den Funkenschlag!“ Auch wenn beim Theater die Schönheit wichtig sei, so dürfe es nicht im Elfenturm verweilen. „Das Wichtigste ist, dass sich Herz und Augen öffnen für die Möglichkeiten des Lebens!“

Die Puppenkiste ist fest in der Stadt verankert

theater-0001Shakespeare in EileEine ganz eigene Faszination strahlt das Figurentheater aus. Ein wichtiger Baustein in Augsburgs Theaterszene ist die Augsburger Puppenkiste, die den Namen der Stadt weit über ihre Grenzen hinaus bekannt gemacht hat. Dass das Figurentheater in der Stadt fest verankert ist, das zeigen auch die „klapps Puppenspiel-Tage“, an dem Theater aus Deutschland und dem Ausland ihre Produktionen vorstellen. Hier wird wieder deutlich, dass Figurentheater nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene verzaubern kann. Besonders reizvoll waren 2013 Schauspielklassiker wie „Romeo und Julia – Liebe und Tod in der Küche“ oder „Shakespeare in Eile“.

Christoph Mayer von den „Freunden des Augsburger Puppenspiels“ e.V., die sich zum Ziel gesetzt haben, diese Faszination am Puppenspiel der Öffentlichkeit näher zu bringen, sieht im Figurentheater als eigenständiger Ausdrucksform Zukunft: „Weil es einlädt, die eigene Phantasie spielen zu lassen.“ Das Puppentheater gebe dem Publikum Zeit, sich auf eine Geschichte einzulassen, die sinnlichen Eindrücke seien intensiver und blieben damit länger in Erinnerung. Eine Theater-Erfahrung, die gerade in unserer schnelllebigen Zeit so gut tut.

 

Informationen
www.theater-augsburg.de www.sensemble.dewww.eukitea.dewww.diekiste.net

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